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Hiermit sprenge ich jeden von mir in Psycho- Dingen gesetzten Maßstab. Ich danke Peter für eine ähnliche, äußerst inspirierende Begebenheit...



(by_ Monet)



vanilla sky

Ich sitze auf dem Fensterbrett im Wohnzimmer.
Kalter Marmor unter mir, körperwarmes Metall in meiner Hand.
Auf dem Fensterbrett.
Sitzend mit der Rasierklinge.
Unter mir die harte Steinplatte.
Wartend.

Gelbliches Licht fällt durch die großen Fenster hinter mir und lässt das dünne Metall aufblitzen, das ich gedankenverloren leicht zwischen den Fingern biege. Ich werfe einen Blick über meine Schulter und beobachte die gelben Wolken, die schwer in der Luft hängen und ihren Inhalt auf die Welt unter sich entleeren. Einen Augenblick lang frage ich mich, wieso die Wolken diesmal die Farbe von Pergament tragen und nicht das übliche Grau. Wie kommt es, dass Regenwolken solch verschiedene Gesichter haben?

Es schüttet aus diesen blassgelben Wolken, die hoch über den Häusern dieser Stadt wabern und die Menschen einhüllen. Meine Augen erfassen den ausgetrockneten Rasen, den ich durch die eisernen Stäbe des Balkons sehen kann. Die vom langen Winter strapazierten Pflanzen beugen sich tief unter der nassen Last und glänzen. Auch die schwärzlichen Scherenschnitte der Bäume, die kahl die Regentropfen auf ihrer Rinde willkommenheißen, glänzen und werden von kleinen Diamanten geschmückt, die von ihren Ästen fallen. Warum zum Teufel sind diese verdammten Wolken gelb?!

Nicht, dass es mich interessieren würde.
Nicht, dass es mich stören würde.
Es ist mir gleich.

Unzufrieden widme ich mich wieder dem unschuldig aufblitzenden Verhängnis in meiner Hand. Ich kenne jede einzelne Einkerbung auf dem Metall, jeden noch so kleinen Kratzer, der im laufe der Jahre hinzugekommen ist. Sie alle Dokumentieren meine Geschichte. Wütend beiße ich auf meine Unterlippe, nage an einem Hautfetzen, der sich begleitet von dem charakteristischen Blutgeschmack löst.

Diese verschissenen Wolken!

Ich drücke die scharfe Kante der Rasierklinge in die Haut meines Unterarms und spüre, wie sie nachgibt. Nach einigen Sekunden erhöhe ich den Druck und ziehe das Metall über meine Haut. Das Ergebnis, ein langer Schnitt über den gesamten Unterarm. Tief genug um mich zu befriedigen, zu oberflächlich um alles zu beenden. Perfekt.

Zufrieden fahre ich mit der Zunge über den Schnitt und genieße das leicht kribbelnde, taubmachende Brennen, das sich rasch in der Verletzung sammelt und ausbreitet. Ein leichtes Wimmern ertönt und ich fasse mir überrascht an die tränennassen Wangen. Ich keuche und spüre, wie sich eine wohlbekannte Wärme in meinem Körper breit macht.

Lächelnd öffne ich das Fenster und springe auf den Balkon. Ich ziehe mir die Kapuze meines schwarzen Pullovers über den Kopf und hole eine Kippe aus der zerdrückten Packung in meiner Hosentasche hervor. Zufrieden kremple ich den linken Ärmel runter und betrachte wieder die Pergamentwolken aus denen der Regen noch immer gen Erde fällt.

Leises Knarren und eine Person, die ich nur aus den Augenwinkeln sehe, tritt auf den Balkon zu meiner Linken. Aber mehr muss ich gar nicht sehen, um ihn zu erkennen.

„Beschissene Farbe.“
„Absolut.“
„Feuer?“
„Immer.“

Ich wende mich ihm zu und begegne seinem dunklen Lächeln. Er nimmt ein schwarzes Feuerzeug von dem kleinen Rundtisch hinter ihm und wirft es mir zu. Ist ja auch nicht weit... Wir sind nur durch einen Meter voneinander getrennt. Ich zünde die Kippe an und inhaliere den Dunst, genieße das Gift, das in meine Lungen strömt. Bewusst lasziv entlasse ich den Rauch wieder aus meinem Mund und beobachte ihn durch niedergeschlagene Wimpern. Er weiß, dass mein Blick auf ihm ruht und fährt sich mit einer nachlässigen Bewegung durch seine langen blonden Locken.

„Der Schnitt.“

Ich schnippe die Kippe in den Wind und nicke, als ich den Ärmel über meinem linken Arm wieder hochschiebe.

„Sauber.“
„Ich weiß, ist ja nicht das erste Mal.“

Unsere Blicke treffen sich. In seinen Augen glimmt etwas auf, dass die Hitze, die sich in mir ausgebreitet hat, wieder auflodern lässt.

„Du bist anders, als alle Frauen, die ich kenne.“
„Ich weiß.“
„Ich will deine Wunden küssen.“
„Ich weiß.“
„Ich will dich.“
„Ich weiß.“

Während er spricht, steigt er über die Geländer, die uns trennen. Er zieht mich zu sich und küsst mich. Seine Finger umfassen vorsichtig meinen Arm, ziehen fest den Schnitt nach. Ich stöhne an seinen Lippen, meine Knie knicken kurz ein.

„Ich bin süchtig nach deiner Selbstzerstörung.“
„Ich weiß.“
„Ich liebe dich.“
„Hm... das sagst du jedes Mal...“
„... Ich weiß...“








Fin