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DAS HIER IST EIN ORIGINAAAAL!!!! *stolz*

Slash ist nur angedeutet, aber ich konnte mich nicht dazu kriegen das hier 'hetero' zu gestalten... U.U





Rauscheengel

Am Himmel hängen blassweiße Wolkenfetzen, die gegen das bleierne Grau dahinter fast schon grell wirken. Der Wind reißt an meinem Haar, schneidet mir ins Gesicht und vermag es doch nicht, diese Dunstschleier mit sich zu tragen. Sie verharren bewegungslos über den Dächern der Stadt. Der schwere, bodenlange Mantel bauscht sich hinter mir auf und kämpft gegen die Luftböen, die an ihm zerren und versuchen ihn zu zerreißen.

Ich lehne mich gegen den Zug, lenke meinen Blick auf die stark bevölkerten Straßen unter mir. Der Lärm, den die vielen kleinen Spielzeugautos machen, verliert sich in den Höhen, von denen ich herabblicke. Ich sehe wie vereinzelte schwarze Pünktchen mit ihren winzigen Aktentaschen unter dem Arm in dem Gebäude verschwinden, auf dem ich stehe und das Leben beobachte.

Ich beobachte das Leben, an dem ich nicht mehr teilhabe. Schon viel zu lange nicht mehr. Ich. Ein Ausgestoßener der Gesellschaft. War es schon immer.

Erst, wenn man nicht dazugehört (nie dazugehört hat), zu diesen lächerlichen Cliquen, die sich im Leben bilden, seinen es die freundschaftlichen oder beruflichen, erkennt man wie erbärmlich alles ist.

Die Menschen, die in dümmlichem Gutglauben in die Sonne schielen und sich freuen, wenn sie zwischen den Wolken hervorbricht und sie blendet. Ihre Kinder, denen man vorgefertigte und zensierte Weltansichten eintrichtert...

Meine Mundwinkel verziehen sich zu einem verächtlichen Lächeln. Diese Art zu lächeln hat sich in mein Gesicht gegraben und dünne, fast unsichtbare Linien um meine Lippen hinterlassen. Meine Gedanken fliegen zu dem kleinen Rauscheengel, wie ich ihn einmal nannte, als er angeheitert umhertorkelte und belehrend auf mich einredete.

Mir ist, als würden mich seine unschuldigen Opalaugen aus der trüben Brühe über mir anstrahlen. Und wieder bilde ich mir ein seine Lippen zu spüren. Die zärtliche Andeutung eines Kusses, der mir in Erinnerung blieb. Hirngespinste. Verächtliches Lächeln. Feine Linien, die sich tiefer in meine Hautzellen fressen.

Rauscheengel. Er war so rein. Hatte von nichts eine Ahnung. Ich machte mich abhängig von ihm und er tat es mir gleich. Droge. Besser als Extasy. Besser als Gift, das heiß in meinen Adern fließt und sich mit meinem kalten Blut vermischt. Cantarella in der richtigen Dosierung, das für einen langsamen Tod sorgt. Dieses Gefühl, dass einen Watte umgibt. Geräuschlosigkeit. Ein Lied in der Stille.

Liebe, oder Verlangen. Eins von beiden. Ich weiß es nicht mehr. Meine Abhängigkeit nahm mir die Sinne. Wir waren wie zwei Junkies, die zusammen ihrer Sucht nachgingen und den Stoff untereinander austauschten. Und dann die Trennung. Der Entzug, wie ich es nenne. Das Gefühl der Leere. Zittern, dass mich überkommt und ich nicht eindämmen kann. Die Entzugserscheinungen. Zwanghaft. Kalt. Heiß. In ermüdend schneller Folge.

Ich habe alles beendet. Habe das Engelchen von mir gestoßen, bevor mein Gift es verderben konnte.

Lange schwarze Haarsträhnen schlagen mir ins Gesicht, sind nass von dem Regen, der auf mich niederprasselt und weiter auf die kleinen Aufziehmännchen tief unten fällt. Vor mir tut sich ein Meer von bunten Schirmchen auf, die im wilden Wind schwanken und die Menschen hinter sich herziehen.

Mein Gesicht ist auch nass. Nass. Verklebt von Salz. Tränen. Sie laufen aus meinem Körper. Dachte, ich wäre schon ausgetrocknet. Vielleicht hat meine Haut den Regen aufgenommen und in salzige Flüssigkeit umgewandelt...

Ausgestreckte Arme. Als menschliches Kreuz stehe ich auf dem Dach irgendeines Wolkenkratzers und schlucke Regen. Tränen. Ich habe keine Flügel, die ich ausbreiten könnte. Falls ich jemals welche hatte, habe ich sie bei meinem Rauscheengelchen vergessen. Nur das Verlangen ist geblieben .Ich schleppe es mit mir rum.

Ich kann die Stimme des Engelchens hören, das verträumt meinen Namen haucht. Immer wieder... Leises Rauschen, das von unten zu mir heraufdringt und die Erinnerung überdeckt.

Schließe die Augen. Gleich werde ich auch dort sein.

Kein Halt mehr. Freier Fall. Fliegen, ohne Flügel.

Der Wind presst mir die Luft aus den Lungen. Der Sturz dauert sehr lange.

Ich sehe, wie die einzelnen Stockwerke neben mir hochwachsen, während ich immer tiefer und tiefer falle. Feine Sekretärinnen, die zwischen neonbeleuchteten Bürotischen herumwuseln und Kaffee oder Papiere bringen, rauschen hinter reflektierenden Glasscheiben an mir vorbei.

Ich schwimme in dem Meer aus kleinen, bunten Regenschirmen.

Und ich denke noch, wie schön es wäre dieses Gefühl mit dem Rauscheengel zu teilen.





And now...?