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Das modifizierte Märchen


Teil 1- Vorstellung des jungen Prinzen und eines Fremden in Begleitung seines edlen Rosses


„Lauri, ich bitte sie. Heiraten sie mich.“

Der kleine Herr mit den etwas diffusen, blonden Haaren flehte inständig und ging dabei auf die Knie. Er scheute nicht sich des Prinzen kleine Hand zu nehmen und ihr einen leichten Kuss aufzudrücken. Fassungslos entriss der Jüngling ihm die Hand und rieb sich den imaginären Staub von seinen Fingern. Seine smaragdenen, verführerisch schattig umspielten Augen strahlten klagend unter seinen tiefschwarzen Haaren hervor. Sie fielen ihm vorne dicht in die Stirn und legten sich in Strähnen, bis hinunter zu seinen feingliedrigen Schlüsselbeinen, an den Wangenknochen entlang. Rücklings wurden sie böig nach oben getragen, schmiegten sich niederfallend in den Nacken und verliefen sich schließlich zwischen den Schulterblättern. Sein Oberkörper wurde fragmentarisch von einem leichten, dunklen Gewebe umlegt, unter dem man schemenhaft silberfarbene Ketten erfassen konnte. Kritisch verschränkte er seine Arme.

„Aber sonst geht’s ihnen gut?“, erkundigte sich der schwarzhaarige Schönling mit einem verschmitzen Lächeln auf den Lippen und zog belustigt eine Augenbraue hoch.

„Warum sollte ich?“ Ein sanftes Lachen schwang in seiner heiseren Stimme mit. Seine grünen Augen funkelten dem opulenten Mann provokant entgegen und ersuchten sein tatsächliches Vorhaben. Er wusste, dass ihn die Horde Freier nur vor den Traualtar zerren wollten, um sich seiner Sinnlichkeit zu bemächtigen. Dreckskerle. Er fühlte sich zwar gut in dem Wissen, dass man ihn aufgrund seiner Schönheit in rauen Mengen umwarb, aber gleichzeitig kränkte es ihn innerlich, dass die Menschen so oberflächlich auf ihn herabblickten. Seine maßlose Eitelkeit drängte diese Bedenken jedoch wieder rasch in Vergessenheit. Genant senkte sein Gegenüber den Kopf zu Boden, um den penetranten Blicken zu entfliehen. Langsam näherte Lauri sich dem Blonden, bewusster Gefangenheit in selbstherrlicher Allüre. Dennoch konnte er dem genüsslichen Verzehr solcher Narren nicht widerstehen. Der blaublütige Drang nach legitimer Spielerei brach seine Gegenwehr. Er war sich seiner geringeren Position sehr wohl bewusst, aber der von Diamanten schwerbehängte Herr vor ihm, erleichterte ihm seinen Spaß ungemein, indem er sich, geblendet von Lauris scheinbarer Überlegenheit, dem Trug und seinem eigenen Verlangen erlegen zeigte.

„Nun?“ Ungeduldigkeit flirrte in des Prinzen Pupillen. Er trat noch einen Schritt näher und ließ seine Lippen grinsend über die erhitzte Wange streichen. Der Blonde erschauderte, als ihm heißer Atem gegen den Hals schlug und Lauris zierliche Finger an seinem seidenen Hemd spielten. „Willst du mir verraten, was du dann mit mir machen willst?“, raunte er fordernd und setze seine feuchten Lippen hauchzart auf die kühle Haut auf. Sein Gegenbild schreckte entgeistert zurück. Lauri lachte amüsiert auf. „Was denn? Sie wollen mich, schrecken bei Berührungen aber zurück? Wie soll das denn funktionieren?“

„Ma- machen sie sich nicht lustig über mich!“, stammelte der feine Herr beleidigt, hob anmaßend seine Brust und warf seinen azurblauen, juwelbestickten Umhang um seine breiten Schultern. Eine übergangslose Erschütterung ließ die beiden euphorischen Kontrahenten erzittern. Leises Grummeln aus weiter Entfernung schwebte, gefolgt von einem heißen Wind durch die emporragenden, weit aufgerissenen Fenster der großen Halle. Lauri vergegenwärtigte sich das leichtfertige Geschehen und führte seinen erblassten Bewerber verärgert wieder auf seine Entscheidung zurück.
„Kommen sie. Suchen sie sich jemand anderen. Sie wären keine Genugtuung. Sehen sie sich an. Sie strahlen so viel Erotik aus, wie ein Fisch. Hey, wo wollen sie hin?“, rief der Schwarzhaarige dem davonlaufenden König hinterher. „Wollen sie mir nicht noch einen Abschiedskuss geben?“ Ein gehässiger Blick schoss zurück. „Scheren sie sich zum Teufel!“, berserkerte ihm der kleine Lockenkopf entgegen. Ein zufriedenes Lächeln umspielte Lauris Mundwinkel. Den war er los. Seine leuchtenden Augen folgten den heimlichen Klängen des Regens, der in feinen, wässrigen Fäden zu Boden nieselte. Einige Atemzüge wirkte er gebannt, kam aber wieder zur Besinnung, als er hinter sich ein Räuspern vernahm. Er seufzte leise.
„Mann, er war’n Arsch.“, rechtfertigte er sich mit dem Gespür zu wissen, was ihm bevorstand. Er irrte sich selten. Knurrend wand er sich um und starrte entsetzt in ein kreidebleiches Gesicht, auf dem die zarten, blauen Linien der angespannten Äderchen hervorstachen. Die eiskalten Augen des vor ihm Stehenden durchbohrten ihn bedacht und wähnten unverkennlich die Absicht ihn zu töten.
„Lauuriiiiiiiiiiiii!“, ertönte es drohend und dem Angesprochenen liefen kalte Schauer den Rücken herunter. Man konnte regelrecht die Ader auf der Stirn seines Vaters in beängstigender Geschwindigkeit pulsieren sehen. Die weiße Lockenperücke war leicht unter dem Gewicht der juwelenbesetzten Krone verrutscht und eine verirrte Strähne hing dem König in die Stirn.
„Ja? Was ist?“, brachte Lauri mit einiger Mühe hervor und richtete sich zu seiner vollen Größe auf, was ihm dann doch etwas seiner Überlegenheit und Arroganz zurückgab, denn er überragte den vor Wut kochenden König um gut einen Kopf. Entrüstet ließ dieser seine Augen an Lauris Hosenbeinen hinabsinken und erspähte schwarze, aber dennoch sehr gravitätische Plateauschuhe unter dem knittrigen Stoff. Mit einem langatmigen Seufzer tat er diese Schmach ab und richtete sich erneuten Elans seinem Mahnwort zu.
„Wie viele Könige, die um deine Hand anhalten, willst du noch in den Wind schießen? Aber... ach, egal. Ich muss dir etwas erzählen.“ Lauri überkam ein ungutes Gefühl. Was war denn auf einmal mit dem König los? Normaler Weise wäre der untersetzte Mann doch schon längst auf Hochtouren und gerade dabei seinen Sohn mit Beschimpfungen und Speicheltröpfchen zu überschütten. Warum so ruhig?
„Hast du wieder ein Nachbarland verwüstet?“, kam also die Frage ziemlich direkt vom Prinzen, der die Lage erfasst hatte. Der Gesichtsausdruck des Königs änderte sich schlagartig. Ein versonnenes, fast diabolisches Lächeln stahl sich auf die ausgetrockneten Züge des Herrschers und spannte die Haut über seine eingefallenen Wangen.
„Ach, du hast doch sicher gehört, dass der König von Itami das Zeitliche gesegnet hat...“... und das auch sicher mit großer Unterstützung deinerseits..., dachte der Prinz bitter und zog eine Augenbraue hoch „...und seinem Sohn, übrigens, er sollte ungefähr in deinem Alter sein, das Reich überlassen hat.“ „Und...?“, hakte Lauri dann nach einigen verzückten Schweige- Sekunden des Königs nach.
„Kurz und gut: Ich hielt es für angemessen diesem Jungspund zu zeigen, wer hier das sagen hat.“ Diese Bemerkung ging in einem gelangweilten Seufzer Lauris unter, der sich kopfschüttelnd an die Stirn gegriffen hatte und vorsichtig bekann seine empfindlichen Schläfen, unter denen es langsam unangenehm zu pochen anfing, zu massieren.
„Wie dem auch sei. Ich hoffe das war´s für heute. Wenn noch ein paar kleinwüchsige Herrscher im Wartesaal hocken, lass sie wegschicken. Das hat mir für heute gereicht.“, rief der Prinz zum Gehen gewandt seinem Vater zu, der leicht verträumt blickend in der Mitte des prunkvoll eingerichteten Empfangssaales stand und kaum noch Notiz von seiner Umgebung nahm. In solchen Momenten der boshaften Versunkenheit war er nicht mehr zu erreichen.
Als Lauri an dem jungen Diener, der eilig die Tür aufriss, mit anmutigen Schritten vorbeiging und kurz genervt die Augen schloss, war er sich sicher ein: „Du alte, verschrumpelte Sadisten- Kröte.“ aufgeschnappt zu haben.
Als die mächtigen Türflügel mit einem dumpfen Hall wieder zufielen, warf er noch missmutig einen Blick hinter sich, bevor er diese galante Geste mit Fassung aufnahm und sich seinem eigenen kleinen Reich widmete. Die Macht der Gewohnheit hielt ihn mittlerweile vor diesen, seiner Eitelkeit zukommenden Anmerkungen, in Gewahrsam. Der Neid ließ die Untertanen hassen. Er gähnte herzhaft und lugte durch seine, ihm ins Gesicht hängenden Strähnen in einen der großen Wandspiegel. Was konnte er denn dafür, angesehen und von so überwältigender Schönheit gesegnet zu sein? Sein Kopf verfolgte den nachfarbenen Schimmer, der sich über ihm entlang schlich. Mehrere mächtige Pfeilerpaare gliederten den lichten Raum und trugen das gewaltige Deckengewölbe, das, durch blasssilberne Rankenmuster verziert, den Raum in unendliche Höhen weitete. In den ausstaffierten Wandspiegeln brach sich das gleißende Licht der Sonne, solange diese das Land umkreiste, nachts aber schienen die reflektierenden Gläser alle noch vorhandene Helligkeit in sich aufzusaugen. Besitzergreifende Finsternis fiel über ihn herein. Er befand es als Linderung und ersehnte die Augenblicke der vollkommenen Befreiung seines Seelenlebens. Die Nacht war sein Zufluchtsort.
Geschafft ließ er sich in seine Schlafstatt fallen und wickelte sich noch vollends gekleidet in den rubinroten Satin. Einige Atemzüge verharrte er in Ruhe und genoss den kurzen Moment totalen Kräfteverschleißes. Aber schon in den folgenden Sekunden begann er leise zu keuchen. Verwundert über die angesammelt drückende Luft, wendete er sich seitlich und suchte nach dem Grund. Trübes Licht durchbrach die Dunkelheit seiner Räumlichkeit. Müde stromerten seine glasigen Augen durch die dichte Wallung aus rotem Nebel. Eine düstere Ahnung beschlich ihn über das Ausmaß der Machenschaft seines Vaters. Törichter, alter Mann. Ekel schnürte ihm die Kehle zu. Würde er wohl eines Tages dem Verlangen nach Zerstörung auch Genüge tun müssen? In seinem störrischen Wahn würde der König wohl selbst seinen Sohn irgendwann ausmerzen, wenn er damit nicht sein eigen Blut dorren ließe. Er konnte als Abkömmling seine bedingte Sicherheit also als eine Huldigung ansehen.
Anmaßend wandelte er zu den mächtigen Fenstern, die in den sanften Nachtwinden mitschwangen. Die seidenen Vorhänge umwebten in weichen Wogen seinen angespannten Körper. Widerwillig trat er zwischen die glasigen Fronten und wich entgeistert zurück. Leicht spielte der heiße Luftstrom mit seinen rußfarbenen Haaren, unter denen seine rotfunkelnden Augen hervorstachen und verstört in die erleuchtete Nacht blickten. Wütende Lohen züngelten sich um seine gereizten Netzhäute und entfachten ein flammendes Inferno vor seinem Blickfeld. Schützend verengten sich seine Lider und erspähten entsetzt das lodernde Terrain. Was hatte sein Vater nur für eine Schandtat verübt?

Das Land entsprach dem Abbild eines entbrannten Meeres. Das hochbetagte Gestein des prangenden Schlosses von Itami schien allmählich in Staub zu zerfallen und aus den hochgeratenen Fenstern quoll getrübter Rauch, der, unterbrochen von einzelnen Glutfunken, das umliegende Flachland unter einem Grauschleier versteckte. Nur in beträchtlicher Höhe sah man noch die scharlachfarbenen Feuersäulen ausschlagen. Die Trümmer der Detonationen verteilten sich über die Wiesen, die über weitläufige Geländeteile hinweg verbrannt und zerfurcht wirkten. Lauri trat zögerlich einen Schritt zurück. Kopfschüttelnd wandte er sich von diesem Grauen und schloss unverzüglich die rotschimmernden Fensterscheiben. Fassungslosigkeit war ihm ins Gesicht geschrieben. War es das, wozu er berufen war? Sollte er das gesamte Land einäschern?

Er kehrte dem dämmernden Wiesengrund den Rücken und trottete benommen seinem stoffumschlungenen Bett entgegen. Noch halb gefangen in seinen wirren Gedanken, blieb er inmitten des kleinen Saales stehen, als er ein leises Klicken vernahm. Sein Eigentum war ihm zu bedeutend, als dass er es nicht an seinem Klang erkenne würde. Und er war sich sicher, dass dieser Schall von den Verriegelungen der Fensterverglasung stammen musste. Doch bevor Lauri den warmen Windhauch, der sich in seinen Nacken schmiegte restlos wahrnahm, legten sich mit sanfter Gewalt grazile Finger auf seine Lippen.

„Kein Ton, oder ich schneide dir deine hübsche Kehle durch.“, hörte er eine leise Stimme an seinem Ohr. Wie eine leichte Brise wehte warmer Atem an seiner Wange entlang und umschmeichelte die Haut unterhalb der Ohrmuschel des Prinzen. Wie um seine Worte glaubwürdiger zu machen, legte der Fremde die kalte Spitze eines kleinen, silbernen Dolches mit filigranen Ornamenten an Lauris Hals an. Dem Prinzen stockte der Atem. Sollte seinem jungen Leben hier ein Ende gesetzt werden?

„Verstanden?“, fragte die Stimme in eindringlichem Ton. Mit furchtgeweiteten Augen, die in glitzernden Tränen schwammen, nickte der junge Prinz leicht und versuchte krampfhaft seine Gedanken nicht auf das Messer an seiner Kehle zu richten. Plötzlich verschwanden die Finger auf seinen Lippen und der Dolch. Ein starker Arm schlang sich um Lauris Hüfte, weil diesen mit einem Schlag all seine Kräfte verließen. Die Tränen lösten sich aus seinen langen dunklen Wimpern und perlten im blutigen Glanz des Feuers seine blassen Wangen hinab. Der Fremde verstärkte seinen Griff um den schmalen Körper in seinen Armen und drehte das Gesicht des Prinzen zu sich. Dieser öffnete leicht den Mund, wie zu einem überraschtem Ruf, doch selbst wenn er gewollt hätte, der Prinz hätte keinen Laut hervorgebracht.

„Ja... Du bist wunderschön. Das muss man dir lassen. Ich wusste nicht ob ich den Gerüchten der Windkobolde glauben schenken sollte.“, flüsterte der attraktive junge Mann leise. Er hatte ebenfalls schwarzes Haar, das allerdings von einem leichten Braunschimmer durchzogen war und Augen in der Farbe der Kornblumen auf einem sommerlichen Feld. Sein Mund war breit und gab seinem Gesicht etwas sehr maskulines, herrisches. Er trug einen langen Reisemantel aus dunkelbraunem Stoff, der das legere Hemd mit Goldstickereien und die schwarze Lederhose, die in staubigen Reiterstiefeln steckte, halb verdeckte. Lauris Angst und Entsetzen waren einer Idee gewichen, die ihn nicht mehr los ließ. Einen Versuch war es immerhin wert. Schließlich ging es hier wahrscheinlich um sein Leben. Eins sei seinem Vater gesagt: er würde sich fürchterlich rächen, falls er diese Eskapade überlebte. Seine grünen Augen gruben sich scharf wie die Kante eines Glases in die des Fremden, der seinen Blick kaum mehr von dem des Prinzen lösen konnte. Lauri nutzte diese offensichtliche Verwirrung und entwand sich mit einer grazilen Bewegung den Händen des Unbekannten. Der löste sich langsam aus seiner Erstarrung und ging mit ungläubigen Blick auf den Prinzen zu. Lauri überkam die Panik, wie ein heimtückisches Tier. Doch der Fremde hatte schon seine Hand gepackt und versuchte ihn mit sanfter Gewalt am Weglaufen zu hindern. Zu sehr hatte ihn der Blick des Prinzen angezogen. In diesem Moment hätte er wohl alles getan um sich seiner Schönheit zu bemächtigen...

„FASSEN SIE MICH NICHT AN!“, schrie Lauri und verfiel sofort in entsetztes Schweigen, weil ihm klar wurde, dass er seinen Angreifer soeben geohrfeigt hatte. Unendliche Momente lang hörte man nur das ferne Knistern der züngelnden Flammen, die das Schloss von Itami nun vollends zerstörten. Der Bann, den der Prinz auf den Fremden ausgeübt hatte war gebrochen. Zitternd wich der Prinz vor dem Fremden zurück, bis er mit den Beinen an den Rand seines Bettes stieß und das Gleichgewicht verlor. Unfähig sich zu Bewegen sah er zu, wie sich der junge Unbekannte mit einem hämischen Grinsen langsam seinem zitternden Körper nährte. Mit letzten Kräften versuchte sich Lauri zu retten und kroch in die Mitte der Matratze, wo er starr auf das Unvermeidliche wartete. Hart und rücksichtslos packten ihn zum wiederholten Male die starken Hände seines Feindes und nagelten ihn in die rotschimmernden Laken.

„Wunderschön... und verdammt gefährlich.“, zischte der Unbekannte ein paar Zentimeter von dem geröteten Mund des Prinzen entfernt, bevor seine Zunge brutal zwischen dessen weiche Lippen stieß. Lauri war zu perplex und zu entsetzt, als dass er angemessen reagiert hätte. Dieser Rohling, der zwar unverkennbar anziehend aussah, stahl ihm gerade seinen ersten Kuss und war vielleicht sogar im Begriff ihm etwas noch viel wertvolleres zu stehlen. Doch schon nach einigen Sekunden löste sich der Fremde von Lauri und zog ihn auf seine inzwischen instabilen Beine.

„Du bist ab jetzt meine hübsche Geisel. Wenn dir deine Unschuld lieb ist, dann würde ich dir raten meine Befehle zu befolgen und nicht noch ein Mal zu versuchen mir zu entkommen...“ Mit diesen Worten zog der junge Mann den perplexen Prinzen zu den Balkontüren, die er mit einer schnellen Bewegung öffnete. Das Nächste, was die ungläubigen Augen des Prinzen erblickten war ein schwarzer Drache, der sich ihnen zugewandt hatte und Lauri durch schlitzartige Pupillen musterte. Einzelne Dampfwölkchen stießen aus seinen geweiteten Nüstern hervor, während er sich gelangweilt wieder umdrehte.

„Das ist Galgathron. Er ist mein treuer Gefährte und das Einzige was mir geblieben ist... aber dazu später. Darf ich bitten?“, fragte der Unbekannte höflich und hielt dem Prinzen hilfsbereit seine Hand hin, sodass dieser auf den breiten Rücken des Drachens steigen konnte, der die geringe Belastung mit einem Schnauben abtat. Mit einer geübten Bewegung, schwang sich der Unbekannte hinter Lauri und umfasste mit dem einen Arm fest den Oberkörper des Prinzen und fasste mit dem anderen um Lauri herum die silbernen Zügel des Drachen, der seine gigantischen Flügel ein paar Male ausbreitete, bevor er sich entgültig zum Start bereitmachte.

„Halt dich gut fest.“, war das Letzte, was Lauri noch hörte, als der Drache sich plötzlich auf seine Hinterbeine stellte und mit einer ruckartigen Bewegung in die nächtlichen Winde emporstieg. Ein kühler Hauch traf den schockierten Prinzen direkt ins Gesicht und nahm ihm für kurze Zeit die Luft zum Atmen.

„Oh mein Goooooooooooooott!!!!!!“, entfuhr es dem erschrockenen Prinzen, der verzweifelt versuchte sich an die Schuppen des Drachen zu klammern.
„Du darfst mich Aki nennen. Aki, König von Itami...“, meinte der junge Mann hinter ihnen und bedeutete mit einem leisen Lächeln, das der panische Prinz nicht mehr mitbekam, weil er die Augen ängstlich zusammenkniff, dem Drachen höher zu steigen.




Teil 2 – Wenn es dämmert...

Dunkle Wolken schoben sich über die fahle Sichel des Mondes. Der schwarze Drache Itamis, der in seiner gewaltigen Größe unter den finsteren Wolkenfetzen dennoch fast unsichtbar wirkte, ließ sich auf den warmen Windwogen des Morgengrauens tragen. Auf seinem schuppigen Rücken wurden die zwei verfeindeten Herrscher getragen, deren innerliche Zerrissenheit ein Spannungsfeld um sie herum aufbaute. Der angsterfüllte Prinz wimmerte leise vor sich hin, versunken in der Hoffnung der Todesflug würde bald enden. Der Händedruck um seinen verspannten Bauch wurde gröber und zog ihn mit sanfter Gewalt rückwärts. Verschreckt schnellten seine Finger nach vorn an den borstigen Hals des Drachen und suchten seinen Körper der Flucht zu verhelfen.

„Lass mich runter, bitte!“, lamentierte der Schwarzhaarige vehement. Kalte Panik überzeichnete sein malerisches Antlitz und er glaubte, dass ihn sein schmerzhaft schneller Herzschlag seines Atems entlasten würde. Wenn er nicht unter den schöngeformten Händen seines Entführers abberufen wurde dann würde er wohl vor beklemmender Angst sterben. Die schwindelerregende Höhe veranlasste ihn sich noch fester in der uneben Haut des Drachen zu verkeilen. Seine glasigen Augen tasteten das brache Land unter ihnen ab. Ein beißender Grauschleier umwebte das zerstörte Itami, in denen noch vereinzelte, meist steinerne Geländeteile detonierten. Die unterschwelligen Feueraufwallungen versuchten sich durch die nebeldurchtränkte Luft zum Prinzen hinauf zu kämpfen, als wollten sie ihn in Schuldgefühlen wissen. Heißer Atem legte sich über Lauris empfindlichen Nacken und ließ ihn verhalten erschaudern.

„Siehst du das?“, raunte der junge König energisch und deutete gezielt auf die noch immer in Flammen stehenden Trümmer seines Reiches. „Sag, wem gebührt Vergeltung?“ Der anklagende Ton in der markanten Stimme war nicht zu überhören. Kaltblütiger Hass brandete in schmerzhaften Wellen durch seinen Körper, aber ihm war auch bewusst, das dieser nicht diesem ästhetischen Geschöpf vor ihm galt. Er überlegte bisher planlos wie er seinem Rachedrang nachkommen konnte. Wie und wann würde er den König von Abyssus seiner hohen Machstellung entreißen und ihn seine Schuld büßen lassen können? Er war unschlüssig, ob ihm seine Geisel sinnvollen Gebrauch schenken konnte, denn eine solche Gleichgültigkeit wie sie sein königlicher Feind hegte, hatte er selten gesehen. Würde er um seinen Nachkömmling Angst haben? Er schreckte aus seinen Gedanken hoch, als er ein wutentbranntes Knurren vernahm.

„Warum machst du das? Ich habe dir doch nichts getan! Du suchst die Schuld bei dem Falschen!“, fauchte der Prinz übermütig und schlug sich entsetzt die Hand vor den Mund. Er musste aufpassen wie er seine Wortwahl tätigte, wenn ihm die nächsten Stunden noch lieb waren. Noch dazu hatte er unbewusst angefangen seinen Entführer zu duzen. Doch keinem von ihnen fiel diese Kleinigkeit auf, denn der Drache bekann leicht zu schwanken und im Wind zu trudeln wie ein dünnes Blatt. Von den großen Schuppen des phantastischen Geschöpfes schien ein stetiges Strahlen ausgesandt zu werden. Plötzlich stieß das Wesen einen ersterbenden Ton aus und begann an Höhe zu verlieren und mit wachsender Geschwindigkeit dem Boden entgegen zu gleiten. Die Eingeweide des jungen Prinzen schienen sich miteinander verknotet zu haben, denn ihm wurde plötzlich unglaublich schlecht. In den letzten Stunden hatten sich die Ereignisse überschlagen. Das ganze Leben des Prinzen schien aus den Fugen geraten zu sein. Und jetzt war er im Begriff einen Todessturz zu erleiden und falls er diesen Flug überleben würde vom König von Itami vergewaltigt zu werden.

„Was ist mit ihm los?“, schrie Lauri panisch und krallte seine Fingernägel in die muskulösen Oberschenkel des Königs. Dieser hisste kurz auf und versuchte aber sofort den hysterischen Prinzen zu beruhigen. Er schlang seine starken Arme um Lauris schlanken Körper und hemmte damit seine ausgeartete Beweglichkeit.

„Halt still, verdammt!“, rief Aki erzürnt und lenkte den Drachen anhand der silbrig schimmernden Leinen in tiefer gelegene Ländeteile. Wenige Meter bevor sie auf dem Boden aufsetzten, kroch gleißendes Licht am Horizont entlang. Die schlitzförmigen Augen des majestätischen Tieres zogen sich erschrocken zusammen und die imposanten, nachtfarbenen Flügel schienen zu zerbersten. Lauri stockte der Atem und er griff verzweifelt um sich. Der verärgerte König erfasste die zierliche Hand seiner Geisel und riss sie mit sich in die freien, bodenlosen Lüfte. Sein brauner Reisemantel trieb dabei auf und federte ihren schweren Sturz leicht ab. Unbewusst drängte sich der verängstigte Prinz näher an den goldbestickten Stoff, der sich eng an die Brust seines Gegenübers schmiegte. Er schloss seine Augen und spürte im nächsten Augenblick den herben Aufprall, bei dem er aber von zwei starken Armen in Sicherheit geborgen wurde. Sie taumelten haltlos und der Prinz nutzte diese Gelegenheit, um die bedrängende Nähe von sich zu stoßen. Aki stolperte einige Schritte, fand aber schnell sein Gleichgewicht wieder und setzte dem fluchtbedachten Schwarzhaarigen nach. Robust packten seine Finger Lauris fragiles Handgelenk und rissen ihn näher an sich. Seine eisigblauen Augen blitzten bedrohlich auf und schnitten sich tief in Lauris blasse Gesichtszüge.

„Hast du vergessen, was passiert, wenn du dich mir widersetzt?“, schnarrte der Braunhaarige und sein rechter Zeigefinger verhakte sich drohend in dem glitzernden Gürtelverschluss des Prinzen. In bedrückender Ehrfurcht schwieg Lauri und schüttelte zaghaft den Kopf. Die Angst um sein Leben erklomm ihn erneut und drohte ihn unbarmherzig zu übermannen. Wie konnte er diesem brachialen Irren nur entkommen? Bevor er die Gelegenheit wahrnahm, um in ihrer Schweigsamkeit die eventuellen Fluchtmöglichkeiten zu erwägen, wurde seine Aufmerksamkeit auf ein kleines Fauchen und einen heißen Luftzug gelenkt. Unverwandt senkte er seinen Kopf dem Boden entgegen und erstarrte. Aki schnaubte genervt und beobachtete den Prinzen unentwegt. Nachdenklich folgte er Lauris geweiteten Augen und seufzte resigniert. Die Zeit hatte ihn schneller eingeholt, als dass er es mit seinen Sinnen hätte spüren können. Wie würde er jetzt den lebhaften Prinzen unter Kontrolle halten? Die ungläubige Stimme des Prinzen riss ihn erneut aus seinen Bedenken.

„Was ist das?“, stieß dieser entsetzt hervor. Mit ängstlichem Blick drückte er sich enger an Aki und klammerte sich an dessen Arm. Er starrte immer noch wie gebannt auf einen Punkt auf dem Boden, nicht unweit von ihnen. „Ungeziefer... ma- mach es tot... Wieso starrt es mich an...? B- bitte...“ Grinsend befreite sich Aki aus der Umklammerung des Prinzen und ging auf das ‚Ungeziefer’ zu, das sofort an seinem Arm heraufkletterte und es sich auf seiner Schulter bequem machte. „Das ist kein Ungeziefer, mein Prinz...“, meinte er spöttisch. “Das ist Galgathron wenn es Tag geworden ist.“, endete er mit ruhiger Stimme und hielt Lauri das kleine Tierchen unter die Stupsnase, die dieser sofort schockiert zurückzog. Auf Akis Schulter hockte tatsächlich der Drache in Miniaturausgabe und spannte energisch die winzigen Flügelchen, durch deren dünne Haut die morgendlichen Sonnenstrahlen drangen. Ungläubig streckte der Prinz einen Finger aus und näherte sich langsam dem schuppigen Kopf der geflügelten Eidechse. Schnaubend und kleine Rauchringe ausstoßend ließ Galgathron ihn gewähren und fiepte leise vor sich hin. Dann erhob er sich kurz in die Lüfte und flatterte auf Lauris Handfläche, wo er sich zusammenrollte und augenblicklich einschlief.

„Er mag dich...“, meinte Aki und nahm dem erstaunten Prinzen die kleine Eidechse wieder ab. Dann packte er die rechte Hand des Schwarzhaarigen und zog ihn in den Schatten einiger Bäume. Er spürte, wie sich der Körper des jungen Mannes hinter ihm versteifte und registrierte ärgerlich ein leichtes Ziehen in der Magengegend. Er hatte Mitleid mit diesem schönen Königssohn. Es passte ihm nicht im Geringsten sich so hart und unbarmherzig zu geben. Das war einfach nicht seine Art, aber er wusste, dass er den temperamentvollen Prinzen nicht unter Kontrolle hätte, wenn er ihm nicht Angst einflößen würde. Er blieb stehen und presste Lauri gegen einen Baumstamm, der hoch aus dem Waldboden ragte.

„Und jetzt ruh dich aus... du wirst den Schlaf brauchen.“, hauchte er dem Prinzen ins Ohr und ließ ihn dann alleine zurück. Lauris Hände hatten sich in der dicken Rinde des knorrigen Baumes verkrampft und ihn gehalten. Aber nun, da Aki außer Sichtweite war, ließ er sich langsam am Baum herabgleiten und brach in Tränen aus. Es war so furchtbar. Noch nie hatte man ihn so grob behandelt. Er hatte furchtbare Angst um sein Leben und seinen Körper. Was wenn dieser Rohling wirklich Hand an ihn legte? Es wäre schlimmer als der Tod. Impulsiv verschränkte er die Arme vor seiner Brust, als würde er versuchen sich mit dieser Geste zu schützen. Er war irgendwo in einem Wald und wurde von seinem Entführer beobachtet. Dies war der schlimmste Tag im Leben des jungen Prinzen. Davon war er fest überzeugt. Doch solche Gedanken verschwammen bald zu einer farblosen Masse, die im müden Kopf des Prinzen umherwaberte und den Umrissen ihre Klarheit stahl. Erschöpft legte sich Lauri auf die Seite und schloss die Augen.

Aus dem dichten Unterholz der Baumkronen beobachtete Aki den schlafenden Prinzen, der nicht unweit von ihm an dem knorrigen Baumstamm lag. Er besah sich missmutig das zarte Gesicht seines Gefangenen und wendete anbelangt den Kopf von den getrocknet schattigen Tränenrinnsälen. Er wusste, dass seine unüberlegte Handlung kein leichtes Unterfangen werden konnte, aber ihm wurde nun erst bewusst, dass der Gewinn des Vertrauens und der Akzeptanz ein schwerer Kampf für sich sein würde. Der Prinz hatte Angst. Aki streckte seine Hand erbost nach den tieferhängenden Grünzweigen und riss einige Blätter ab. Während er sie genüsslich zerrupfte, schweifte sein leerer Blick in die Ferne.

Der Horizont schien in schwarzen Flammen zu ertrinken. Seine Augen verdunkelten sich. Sein Land war vollkommen zerstört. Wiederkehrender Hass wallte in ihm auf. Wohin sollte ihn sein Weg nun treiben? Dazu mit einem überaus anstrengenden Adelsabkömmling im Schlepptau. Wann würde ihn die Erkenntnis bereichern, dass nun die unwiderlegbare Zeit anstünde den König Abyssus’ zu stürzen? Wie sollte er vorgehen? So lag ihm nicht im Sinn einen verhängnisvollen Angriff ohne Zielsetzung und Besonnenheit in Betracht zu ziehen. Er konnte den fragilen Prinzen niemals dort mit integrieren. Würde der junge Herr es doch befürworten ihn zu begleiten, so würde Aki möglicherweise schon aus reiner Furcht, unter den kläglichen Angstschreien des Prinzen dahinzuschwinden, kapitulieren.

Freilich würde er auch keinen Rückhalt von dem Prinzen erwarten dürfen. Was wenn er mit all seiner Macht, die angesichts seines Aussehens nicht sonderlich mächtig zu sein schien, versuchte seinen kampflustigen Vater zu verteidigen? Aki konnte sich nicht begreiflich machen, wie man dieses schwarze Blut seine Machenschaften treiben lassen konnte. Würde seine hübsche Geisel wohl innerlich auch bald dem Drang nach Zerstörung nachhängen? Kleine, heiße Atemwölckchen schlugen ihm gegen den Hals und er seufzte verzweifelt mit dem leisen Schnurren seiner kleinen Eidechse, die friedlich schlummernd auf seiner Schulter ruhte. Wie sehr er sich nach dieser inneren Stille sehnte. Aber ihm tollten unzählige Gedanken unbarmherzig durch die Nervenstränge und trieben ihn in Verwirrung. Er setzte sich auf und schlang die Arme und seine Beine. Sein schwarzgetränkt zierlicher Begleiter erhob sich schreckhaft in die Lüfte und segelte dann müde dem träumenden Königssohn entgegen. Sanft ließ er sich auf den kohlenähnlichen Haaren nieder und rollte sich knurrend wieder ein.

Erstaunt erhob sich Aki und schwang sich in grazilen Bewegungen an einem festen Ast hinunter. In schleichenden Schritten näherte er sich den beiden weltentfremdeten Gefährten. Als das Gras unter seinen Füßen leise raschelte, hielt er kurzatmig inne, aber es störte die Schlafenden herzlich wenig. Das verzückende Abbild zauberte ein schmales Lächeln auf das Gesicht des Königs. Ein frischer Duft umwebte seine Nase und trieb ihn das Tal hinab. Er würde sich auf Galgathron verlassen können. Er konnte auch mit großer Sicherheit annehmen, dass der Prinz noch eine Weile in seiner heilen Traumwelt gefangen sein würde. So schritt er alsbald den grünen Abhang hinab und folgte den sanften Klängen des Wassers.

In absehbarer Zeit erreichte er ein abgeflachtes Flusstreiben. Er lauschte dem leisen Plätschern und flinke Forellen driften vor ihm in dem seichten, klaren Gewässer her. Die Stein- und Erdwände verengten sich und bildeten einen dünnen Pfad, durch den das kühle Nass floss. Die gleißenden Sonnenstrahlen spiegelten sich in dem Bach und blendeten Aki leicht. Er kniete sich ans Ufer und ließ seine Hände langsam ins Wasser gleiten. Die Frische beruhigte seine Aufgewühltheit und körperliche Verspannung. Er langte unter seinen braunen Reisemantel und löste eine runde, mit schmalen Bändern umschlungene Flasche aus dem rustikalen Stoff und tauchte sie in den leichten Strom.

Ein ohrenbetäubender Knall einer fernen Detonation floss durch die warme Morgenluft an des Königs Ohren. Er schreckte zusammen und starrte fassungslos in das vor ihm liegende Gelände. Ein undurchsichtiger Wald erstreckte sich über großen Flächen und verwehrte ihm den Standpunkt zu orten. Panisch verstöpselte er seine Trinkflasche und trat im schnellen Gang seinen Rückweg an. Dem Prinzen würde der Donner sicherlich nicht verborgen geblieben sein. Wenn sie sofort aufbrechen würden, wären sie womöglich noch vor Sonnenuntergang in der nächsten Stadt. Dort würden sie Zuflucht finden. Gewiss würde er in diesem kleinen Städtchen auch Verteidigungswerkzeug erbeuten können, um sich gegen den Kampf mit dem König Abyssus’ zu wappnen. Als ihn einen gellenden Schrei erreichte, rannte er hoch zu seinem Gefangenen hinauf und fand ihn wild umherfuchtelnd und wimmernd vor. Erzürnt schritt er näher und griff ihn grob am Handgelenk, um ihn körperlich zu beschwichtigen.

„Was... ahh, nimm dieses Schlangenvieh von mir.“, wehklagte der verängstigte Prinz und versuchte sich von dem starken Griff zu befreien. Vorsichtig hielt Aki dem blassen Gesicht einen Finger entgegen und schon klammerte sich die erschrockene Eidechse daran fest. Dem Prinzen schien die Nähe eines Verbündeten des Königs Itamis’ noch nicht zu behagen. Er musterte das kleine Tier mit entsetzten und furchtgeweiteten Augen. Der König drückte den noch immer fassungslosen Lauri wieder runter an den dicken Baumstamm und kniete sich als Barrikade davor.

„Hier, trink.“, forderte Aki den verwirrten Königssohn auf und hielt ihm ruhig die Flasche entgegen. Dieser nahm sie zögerlich, aber dankend zu sich und schluckte begierig das kühle Wasser. Dabei beobachtete ihn sein Gegenüber unentwegt, als wollte er jede Bewegung genaustens studieren, um ihn später mit der Kenntnis seiner Schwächen niederreißen zu können.

„Was war das für ein Krach?“, fragte der schwarzhaarige Schönling unsicher, die Hände wieder fest in der morschen Baumrinde verankert. Vorläufig sollte er sich mit einem unfreundlichen Blick seitens des Königs zufrieden geben. Aki schwieg in unendlicher Geduld und sah dann seinem Gegenüber achtbar in die Augen.

„Dein Vater hat sich gerade eines weiteren Landes bemächtigt. Wir müssen fort, er wird bald hier sein. Erhebe dich und folge mir.“, sprach der König leise aber klar und richtete sich dann auf. Seine kleine Eidechse flog ihm, sich vom zarten Wind treiben lassend, hinterher. Lauri sah den beiden irritiert nach. Sollte er nun vor seinem eigenen Blut die Flucht ergreifen? Zweifellos hatte sein Vater bemerkt, dass ihm sein lieblicher Sohn abhanden gekommen war und suchte nun, wenn auch mit etwas gewalttätigen Behelfen, nach ihm. Wenn er bliebe, würde ihn sein Erzeuger sicherlich aus den Fängen dieses Irren befreien. Warum sollte er sich seinem Entführer, auf die Gefahr hin von ihm geschändet zu werden, anschließen? Auf den begierigen Wunsch seines Sohnes hin, würde der König Abyssus’ diesen Frevler bestimmt einkerkern.

„Dein Warten bringt dir kein Entkommen. Du solltest lieber meinen Anweisungen Folge leisten, wenn du dein Leben noch begünstigen solltest, sobald diese Bestie von König hier Fuß fasst.“, legte ihm der junge König gleichgültig nahe. Langsam schritt dieser den grünen Hügel hinab. Sein schwarzbraunes Haar leuchtete hell unter dem schillernden Sonnenlicht auf und der frische Morgenwind spielte belustigt mit den weichen Strähnen. Lauri empfand ihn in diesem Moment als wahrhaftige Verzückung. Diese Unbefangenheit des Jünglings vor ihm faszinierte den Prinzen. Als Aki einen anordnenden Blick zu seinem widerwilligen Genossen warf, strahlten seine Augen tiefblau und offenbarten dem verängstigten Prinzen zum ersten Mal einen minimalen Einblick in Akis wahre Beschaffenheit. Sie sprühten vor Unnachgiebigkeit, aber eine gewisse, tief eingravierte Nachdenklichkeit untermauerte seine Handhabung. Lauri glaubte langsam zu verstehen. Was er nicht wissen konnte war, dass der König sich davor fürchtete sein wahres Wesen zum Vorschein zu bringen, denn dann könnte ihn der Prinz mit Leichtigkeit brechen. Die Entschlossenheit, sich des schönen Königssohnes gewaltsam zu bemächtigen, wog schwer, aber Aki würde dieser Bürde stand halten müssen. Es war verdammt noch mal seine Verpflichtung, sein Vaterland zu rächen. Und diese Rachgier würde ihm niemand nehmen können.

Lauri stieß sich zögernd vom Baumstamm ab und wagte sich nun seinem Entführer in zögerlichen Schritten anzuschließen. Seine Augen hefteten sich misstrauisch an Akis Rücken. Was veranlasste ihn diesem Grobian zu folgen? Tat er dies aus reiner Furcht vergewaltigt zu werden oder entwickelte er ein angehendes Gefühl, dass sein tiefes Misstrauen langsam zerbrechen ließ? Das fremdartige Flimmern in seinen Augen konnte wohl nur er selbst deuten.



TBC...