Gratis bloggen bei
myblog.de



|myblog.de| made by Ulanka|

Start
Über
Gbook
Archiv
Kontakt
Abo





Disclaimer
...wie Schnee
Das modifizierte Märchen
Breakfast
glass + moon
Metal heart
Why?
x-maspresent
burning me
silence
Nimm mich…
Black and green
Overkill
yours


What happens if it rains
Vanilla sky
Peter
Rauscheengel |Poem|
as red as the blood
I´ve cried


Altersfreigabe:18
Pairing: Lauri/Aki
Warnungen: Depri, Death, Lime, Psycho

Inspiration: Ein Traum...
Musik: Slipknot, Edwyn Collins
Widmung: Anteeksi, die mich in letzter zeit sehr unterstützt hat! *knuddl*


Why?


Es ist ein einziges Wort, so kurz und unbedeutend. Eine unwichtige Anordnung von Buchstaben.
Und doch ist es eines der mächtigsten Worte unserer Sprache.
Dieses Wort hinterfragt den Grund für unser Handeln, den Gedanken hinter unserem Vergehen, die Existenz unserer Gefühle...
Doch zu versuchen den Sinn des Lebens zu erfragen, führt zum Wahnsinn.
Das Leben hat keinen Sinn. Es folgt keinem vorgegebenem Weg. Es wird von dem Unsinn geleitet, der sich menschliches Schicksal nennt.
Ich frage mich... warum?
~+~


Teil 1

Meine Gedanken werfen ihre dunklen Schatten an die kahle Wand , die schon seit Stunden meinen leeren Blicken standhält. Unbewegt sitze ich auf der schwarzen Ledercouch inmitten meines Wohnzimmers. Nur ein weiterer sichtbarer Beweis des Luxus, den ich mir leisten kann.
Ja, ich schwimme förmlich im Geld, könnte mir alles kaufen, was mein Herz begehrt. Aber Gefühle sind nicht käuflich. Liebe lässt sich nicht mit bedrucktem Papier und Münzen locken.
Was würde ich nicht alles geben, um meinen Wunsch zu erfüllen. Dieses Verlangen, das tief in mir brennt und sich mit seinen züngelnden Flammen meiner Gedanken und meines Körpers bemächtigt...
Die lauernde Stille, die sirrend in der Luft hängt macht es mir unmöglich einen klaren Gedanken zu fassen. Zu lange war ich hier...
*-*


Langsam wabern milchige Fetzen über den vereisten Boden. Hin und wieder werden sie vom frostigen Funkeln der dünnen Eisschicht , die sich wie ein Leichentuch auf dem Boden ausgebreitet hat, durchbrochen. Leise knirscht die tote Erde unter meinen vorsichtigen, fast schon ehrfürchtigen Schritten. Ich hebe meinen Mantel an, versuche so zu verhindern, dass er an den dürren Dornengeflechten hängen bleibt. Der schwarze Stoff glänzt feucht.
Die Luft um mich herum steht still und umfängt mich mit der erdrückenden Ruhe der frühen Morgenstunden. Ich bin allein.
Der Baum, an den ich mein Fahrrad lehne, versucht mit seltsam verrenkten Armen die weißen Vorhänge vom Himmel zu reißen. Doch aussichtslos sind seine Bemühungen, die Sonne hervorzulocken und so den Frühling zu erzwingen. Hier wird nichts mehr blühen. Nie wieder. Dieser Garten ist tot.
Warnend rascheln die verdorrten Grasbüschel, über die ich meinen Weg fortsetze. Vor mir ragt ein breiter Baumstamm aus dem Erdreich. Ich lege den Kopf in den Nacken und kneife geblendet die Augen zusammen. Hoch über mir strecken sich seine Äste majestätisch, gleich zum Gebet erhobenen Händen, in die kalte Luft. Doch auch dieser Koloss ist nur ein trauriges Überbleibsel aus besseren Zeiten. Auch er ist tot. Nie wieder werden Blätter seine klammen Finger bedecken. In mir steigt Verachtung hoch. Ich verachte diesen Garten, der mich so fasziniert und eine unnatürliche Macht auf mich ausübt, aber dennoch nicht mehr im Stande ist neue Triebe hervorzubringen. Ich sehe ihn als eine Art Genosse an. Ich fühle mich genauso tot und verlassen, wie dieses einsame Stück Moor.
„Was die anderen wohl sagen würden, wenn sie wüssten, dass ich mich hier besser fühle. Hier in der erbarmungslosen Kälte, nicht in meiner teueren beheizten Wohnung... Jeder normale Mensch währe glücklich so ein Heim zu besitzen...“ Ich spreche meinen Gedanken laut aus, horche meiner Stimme nach. Wahrscheinlich wollte ich prüfen ob das Schweigen der Bäume meine Worte verschlingt.
„Was für ein trauriges Ende...“ Meine Finger streifen über das letzte Blatt, das sich an den trockenen Zweig einer Hecke klammert. Lautlos löst es sich aus seiner verzweifelten Umklammerung und kapituliert. Es segelt wirbelnd dem Boden entgegen. Ich spüre eine heiße Flüssigkeit langsam an meinen Wangen herunterlaufen. Erstaunt lege ich eine Hand auf meine Wange und verschmiere die Tränen auf meinem Gesicht. Ich habe gar nicht bemerkt, dass ich weine... der Grund jedoch ist mir nicht unbekannt.
„... Wieso?... Warum ausgerechnet... DU?“ Schluchzend lehne ich meine glühende Stirn gegen die raue Rinde des toten Baumes. Ich halte die Tränen nicht mehr zurück. Brennend steigen sie in meine Augen, verschleiern meinen Blick und erinnern mich daran wie schwach ich bin. Der Schwäche folgt Wut.
„Verdammt!!! Warum?!“ Schreiend balle ich die Hände zu Fäusten und trommele gegen den Baum. Ich hämmere wie ein Wahnsinniger gegen den toten Körper vor mir, lasse meine Verzweiflung an diesem seelenlosen Gegenstand ab. Ich mache weiter bis der Schmerz unerträglich wird und meine Hände blutig sind. Mit einem letzten Schrei lehne ich mich schweratmend gegen den Baumstamm und rutsche an ihm herunter. Ich mache mich klein und umschlinge mit den Armen meine Beine. Wimmernd vergrabe ich meinen Kopf in dem Freiraum zwischen meiner Brust und meinen Knien. In dieser „Höhle“ sammelt sich mein warmer Atem und beschlägt meine kalten Wangen. Erst jetzt wird mir bewusst, dass meine Glieder taub vor Kälte sind. Ein seltsames Kribbeln wandert durch meinen Bauch und verteilt sich in meinem ganzen Körper. Ich hebe den Kopf und lehne in schweratmend zurück. Die Äste über mir tanzen wild im Kreis. Mir ist schwindelig. Ein Zweig zerbricht, ich höre es knacken und einen Vogel aufgescheucht krächzen.
„Scheiße!!!“ Schritte. Eine dunkle Gestalt beugt sich über mich. Die Umrisse verschwimmen vor meinen Augen und schwanken. Starke Arme schlingen sich um meinen Oberkörper und meine Beine. Ich werde hochgehoben und an etwas weiches gelehnt. Der Waldboden unter mir bewegt sich schnell. Die Bäume rasen mit einem bedrohlichen Zischen an meinem schlaffen Körper vorbei. Ich spüre das Blut, das durch meine Venen fließt und in meinen Ohren rauscht. Um mich herum wird es tiefe Nacht. Kraftlos lasse ich meinen Kopf zurücksinken.
„Halt durch, Lauri... alles wird gut...“ Die Stimme hallt in meinem Kopf wieder. Sie ist das Letzte was ich noch höre. Ich kenne sie...
... AKI...


*-*


Was ist das...? Ich strecke die Hand aus und taste blind um mich. Ich bekomme etwas glattes, faltiges zu fassen. Meine Finger streichen über das knirschende Material... Leder. Verwirrt setze ich mich auf und blicke um mich. Ich bin in meiner Wohnung. Bin ich eingeschlafen?
Auf dem großen Plasmabildschirm vor mir flimmern keine bläulichen Bilder mehr. Vor mir spielt sich ein unerbittliches Massaker ab. Weiße Punkte verschlingen schwarze um gleich darauf von einem Heer schwarzer Punkte ausgelöscht zu werden. Zuckendes Gewusel von unzähligen winzigen Gegnern, die nur ein Ziel verfolgen. Ein ewig währendes Trauerspiel, dass nur ab und zu von einem zitternden Streifen gestört wird, der über den Bildschirm wandert und alles zerstört um neuem Gewusel Platz zu schaffen.

.Sinnlos. „Sie sind die einzigen Wesen dieser Welt, die aus Willkür töten...“

.Selbstmord. „Alles was sie erschaffen, verwenden sie um zu töten...“

.Ameisenkrieg. „Sie leben nur um sich selbst zu zerstören...“

Ein Lachen, gefühllos und kalt, prallt gegen die Wände und wird wieder zurückgeworfen, verfolgt mich, verletzt mich. War ich das? Ist es inzwischen schon so weit mit mir? Wie kann das sein?

Alles fing mit dir an. Ja, du bist an allem Schuld. Du bist es, der sich in mein Herz schlich und sich dort einnistete. Du bist es, der dort ein Feuer entfachte, dass nur von dir gelöscht werden könnte. Du bist es, der mich nicht rufen hörte. Und du bist es, der mir mein blutendes Herz gewaltsam aus der Brust riss, um mich fortan von dir abhängig zu machen... ohne es zu wissen.

Nein, du bist nicht schuld. Du kannst nichts für diese kranke Liebe, die mich in den Wahnsinn treibt. Dieses Gefühl, dass so stark ist, dass es an Hass grenzt...
Die Liebe ist etwas unberechenbares. Sie ist gefährlich und beschleicht den Körper wie eine Krankheit. Anfangs beginnt man einen Menschen anders zu sehen. Man achtet auf bestimmte seiner Bewegungen und Gesten und sieht ihn plötzlich mit anderen Augen. Man sucht die Nähe dieses Menschen, ohne den man sich alleine und verlassen fühlt. Liebe bemerkt man erst dann, wenn sich schon lange da ist. Sie hat sich listig angeschlichen und bohrt sich mit ihren Ranken tief in die Seelen der Menschen. Und plötzlich wird man sich darüber bewusst, dass sie es ist, die einen Schatten auf die Sonne wirft und den Blick trübt... die Liebe.


x-x


Langsam schleppe ich mich durch den dunklen Flur ins Badezimmer. Die Glühbirne surrt und das Licht flimmert kurz. Ich sollte mal eine neue besorgen...
Listig kriecht die Kälte an meinen Füssen zu mir hoch. Ist die Fußbodenheizung nicht an?
Wiederwillig hebe ich meinen Blick und sehe in den Spiegel. Mit tastenden Fingern überprüfe ich, ob sich meine Haare wirklich so strohig anfühlen, wie sie aussehen. Meine Augen sind gerötet vom vielen Weinen und auf meinen Wangen sind rote Flecken. Ich sehe krank aus... nein, ich bin krank.
Mein Spiegelbild starrt mich an, ich beobachte wie sich mein Mund zu einem Lächeln verzieht. Künstlich. Unecht. Eine Fälschung. So bin ich... Pokerface, Grinsekatze.

Ein Ziehen an meinem Mundwinkel, es ist zu spät. Ein Riss in meiner Lippe. Er ist dünn, fast unsichtbar... und trotzdem fließt gemächlich ein winziger Blutstropfen über meine rauen Lippen und bahnt sich seinen Weg über mein Kinn. Ich hebe die Hand.
Was mache ich hier?
Ich fange den roten Tropfen mit meinem Zeigefinger auf und betrachte ihn genau.
Was soll das?
Ich fahre vorsichtig mit der Zunge über meine Fingerspitze.
Salzig. Metallgeschmack. Ekel. Leichtigkeit.
Ich lache.
Ich weine.
Ich liege auf dem kalten Fliesenboden.
Ich schreie.
Mir ist kalt...

... Vor mir, das Küchenfenster. Ich stütze mich daran ab. Mein Atem schlägt gegen die Scheibe und versperrt mir die Sicht nach draußen. Ich nehme meine Hand vom eisigen Glas und betrachte den Abdruck, den sie hinterlassen hat. Langsam verschwinden die Umrisse und das Glas verliert die Wärme des Handabdrucks wieder. Verschwunden, der Schatten einer Erinnerung. Wird mir das Selbe passieren?
Das Ticken der großen Küchenuhr wird lauter. Ihre Zeiger bewegen sich in Zeitlupe.

Verwirrt drehe ich mich um. Asphalt unter meinen Füßen. Die Strasse. Ich habe meinen Mantel an und stehe vor deiner Wohnung. Wie bin ich hier hergekommen? Ich sehe hoch zu den Fenstern des zweiten Stocks. Deine Fenster... Leer bohren sich ihre toten Blicke in mich. Dein Wagen ist nicht da. Du bist unterwegs...

Geflüster. Plötzliche Stille. Die Bewegungen erstarren. Der Wind weht.

„I- ich kann´s nicht glauben. L- lauri...? Lauri Ylönen?“ Ein zittriges Stimmchen, tapsige Schritte mehrerer pubertierender Mädchen, die auf mich zuschleichen, als währe ich ein exotisches Tier. Fans... das Letzte, was ich jetzt gebrauchen kann. Sie sind im Grunde alle gleich. Kreischies, die sich nicht mehr unter Kontrolle haben, sobald sie mich sehen. Betont lässig drehe ich mich um und werfe ihnen ein antrainiertes Lächeln zu. Grinsekatze.

„Hi, Mädchen.“ Ich streiche mir einige wirre Haarsträhnen aus dem Gesicht und mustere sie prüfend. Eindeutig Mittelstufe. Direkt vor mir steht ein blondes Mädchen, das unsicher an ihren Jackenärmeln zieht.

„Wollt ihr ein Autogramm?“ Sie atmet erleichtert auf und kramt hektisch einen Block und einen rosafarbenen Kugelschreiber hervor. Es wirkt fast so als währe sie auf Autogrammjagd gewesen. Welcher normale Mensch rennt sonst mitsamt pubertierendem Anhang am Sonntag durch Helsinkis Strassen?

„Kannst du bitte ‚für Lina’ schreiben...?“ Die anderen Mädchen kommen langsam näher und zücken auch Stift und Block. Für einen kurzen Moment überkommt mich der Drang zu fliehen. Doch nichts. Ich bleibe stehen und kritzele meinen Namen auf das karierte Papier, schüttele kleine vor Aufregung schwitzige Hände. Ich kann richtig spüren, wie ihnen das Herz in die Hose rutscht. Wahrscheinlich ist gerade einer ihrer sehnlichsten Träume in Erfüllung gegangen. Sie denken alle, dass sie meine größten Fans sind, mich am meisten bewundern und alles über mich wissen, nur weil ich auf Postern in ihren Zimmern hänge und grinse. Sie haben keine Ahnung, wer ich wirklich bin...
Ich gebe der Letzten ihren Stift zurück und drehe ihnen nach einem kurzen Winken den Rücken zu, konnte nicht standhalten, muss die Flucht vor ihnen ergreifen.

Ich setze einen Fuß vor den anderen. Schritt für Schritt. Habe keine Ahnung wohin mein Weg mich führt. Einfach weiterlaufen. Solange, bis ich nicht mehr kann. Weg. Weg von hier. Weg von dir.


Teil 2

Schon wieder ist es die Wand, die meine wirren Gedanken abfängt und meinen Wutanfällen standhält. Vom Drang mich selbst zu verletzen und so für meine Gedanken, mein Verlangen nach dir zu strafen, getrieben, bin ich immer wieder aufgestanden und habe gegen den harten Stein gehämmert und getreten. Ich habe mit der Wand gekämpft, die meine Gedanken in dieser Wohnung einschließt und mich mit kalter Gelassenheit anstarrt.

Als ob Wände starren könnten. Langsam werde ich wirklich schwachsinnig... Es kribbelt in meinem Bauch und langsam kriecht es meine Kehle hoch. Ein leises Keuchen entweicht meinem Mund, verwandelt sich in ein Kichern und artet in ein hysterisches Lachen aus. Hier liege ich also, auf dem Boden meiner Luxuswohnung in Helsinki, zusammengekrümmt und tränenüberströmt, und lache mir einen ab. Das ist doch total armselig, aber trotzdem einen weiteren Lachanfall wert. Ich umschlinge mit den Armen meinen Bauch, der sich inzwischen bei jedem hektischen Atemzug schmerzhaft zusammenzieht. Aber ich lache weiter. Mein Geist leidet, tobt, wütet und weint. Mein Körper wälzt sich von Lachkrämpfen geschüttelt auf dem Boden. Paradox.

Da fällt mir etwas ein. Sagt man nicht, dass das Gehirn in manchen Situationen versehentlich danebengreift und das falsche Hormon ausschüttet? Dann lacht man also, wenn man weinen will und weint, wenn man lachen will. Glückstränen und Hysterie sind das Ergebnis. Heißt das, dass ich schon so weit die Kontrolle über mich verloren habe?

Der Anfall ebbt ab, nur noch ein paar vereinzelte Auflacher entweichen meinem Mund. Erschöpft drehe ich mich auf den Rücken, strecke die Arme von mir aus und bleibe nach Luft schnappend liegen. Mein Blick fällt auf die Decke. In der Mitte befindet sich eine einzelne Glühbirne, die nackt herunterbaumelt. Trostlos... Kalt.

Ich ersticke hier drin. Ich ersticke. Es ist nicht physisch... es ist ein Zustand, den ich nicht erklären kann. Eine eiserne Faust hat sich um mein Herz gelegt und drückt erbarmungslos zu, wann immer ich an dich denke. Aber meine Gedanken sind immerzu bei dir. Es ist ein andauernder, unterschwelliger Schmerz. Und doch ist es auch ein süßer, süchtig machender Schmerz. Wehmut... Sehnsucht...

Die Sehnsucht nach dir verzehrt mich fast. Was ist „Sehnsucht“ eigentlich? Was meinte der Mensch, der dieses Wort erfand damit? Das Sehnen nach Liebe, das so stark wird, dass es an Sucht grenzt? Dieser Masochismus, der auch mich gefangen hält? Oder dachte er an die Sucht, sich nach dem Unerreichbaren zu sehnen? Ich weiß es nicht. Es verwirrt mich. Dieses Wort ist so schwer zu verstehen und doch so einfach gesponnen. Zwei Ausdrücke, die man zusammenfügte, weil sie etwas bestimmtes beschreiben.

Mein Handy. Es vibriert und hüpft auf dem harten Parkett. Zittrig strecke ich eine Hand danach aus und starre auf den kleinen Bildschirm. Die Buchstaben verschwimmen vor meinen Augen und tanzen im Kreis. Ich blinzle und versuche etwas zu entziffern.

#Hi. Wir treffen uns in einer Stunde im Nosturi. Aki.#

Keine Einwände sind geduldet. Mir wird keine Möglichkeit gelassen abzulehnen. Ich muss hin. Unser Stammlokal...

Ich werde wieder meine Maske aufsetzen und meine Rolle spielen. Es ist so einfach...


*~*


„Du bist total niedlich...“ Eine kleine Hand, die sich unter mein schwarzes Hemd schiebt, Lippen, die feuchte Küsse auf meinem Mund verteilen.
„Was wohl meine Freundinnen sagen werden, wenn ich denen erzähle, dass ich mit Lauri Ylönen geknutscht habe?“ Ein träumerischer Ausdruck ist in die Augen der Kleinen auf meinem Schoss getreten. Mit ist übel. Genau, total überwältigend, wundervoll! Ich bin ja der The Rasmus Frontman! Wie konnte ich das nur vergessen?! Natürlich. Es ist bestimmt total COOL seinen kichernden Freundinnen zu erzählen, dass man mit mir geknutscht hat!
„...Ob sie mir dass abnehmen werden...?“ Automatisch packe ich ihren Hintern und ziehe sie enger an mich heran. Neben uns ist ein gedämpftes Stöhnen zu hören. Dein Mädchen hat ihre Hand anscheinend schon in deiner Hose...

„Schlampe.“
„Was?“ Sie hält in ihren Bewegungen inne und sieht mich aus ungläubig geweiteten, dummen Puppenaugen an. Zum Glück ist die Musik sehr laut...
„Ach, nichts.“ Etwas grob schiebe ich sie von mir, was sie mit einem leisen Schrei quittiert. Mit vorwurfsvollem Blick landet sie neben mir auf der breiten, mit rotem Samt überzogenen Sitzecke. Etwas härter als gewollt greife ich nach der Hand der kleinen Schlampe, die auf dir sitzt und an deinem Schritt rumreibt und ziehe sie von dir weg. Die bekommt sofort eine Kreischattacke und versucht mich mit ihren aufgeklebten Nägeln aufzuschlitzen. Ich umfasse ihr Handgelenk fester und drücke zu. Sie verstummt sofort und versucht sich aus meinem Griff zu befreien. Vielleicht habe ich doch vor ihr weh zu tun...

„Aki!“ Mit glasigen Augen siehst du mich durch deine schiefsitzende Brille an. Dann, plötzlich, als wäre es dir peinlich, dass ich dich so sehe, stößt du die Schlampe von deinem Schoss, stehst wie von der Tarantel gestochen auf und knöpfst deine Hose zu. Hinter mir ertönt wieder Kichern. Ich drehe mich um und sehe, dass sich die Kleine schon auf zu ihren anderen Barbie- Freundinnen gemacht hat und ihnen anscheinend gerade erzählt hat, dass sie mit „Lauri Ylönen“ geknutscht hat.

„Schön, schön... was hältst du davon jetzt auch zu deinen kleinen Freundinnen zu gehen. Sie wollen sicher wissen, wie sich Akis Schwanz anfühlt.“, zische ich der Schlampe ins Ohr, die mich mit einem ungläubigen Blick fixiert und dann erschrocken abzischt.

„Warum hast du das getan?“, fragst du entrüstet und greifst grob nach meiner Schulter. Ein heißer Blitz durchzuckt mich. Ich räuspere mich, was du allerdings nicht mitbekommst, weil die Musik inzwischen dein Hörvermögen beträchtlich eingeschränkt hat.
„Ich hielt es nicht für nötig, dass du eine Fünfzehnjährige entjungferst.“ Deine, im schummrigen Disconebel blassblauen Augen, weiten sich ungläubig.
„Fünfzehn...?“ Deine Lippen, leicht geöffnet, so als wollen sie eine ungestellte Frage aussprechen. Wie gerne würde ich sie ein einziges mal spüren... Ich muss mich zusammenreißen! Sprich weiter... er hat dich etwas gefragt.
„Vielleicht sind sie auch schon sechzehn. Aber was ändert das schon? Die neue Schlagzeile in irgendeinem Teeny- Magazin: ‚Aki Hakala, Drummer der Band >The Rasmus< hat einen minderjährigen Fan in einem Nachtclub entjungfert...’ denkst du diese Art von Publicity brauchen wir?“ Ich bin wütend, schreie inzwischen fast schon. Aber nicht, weil eine solche Schlagzeile wahrscheinlich unser Ende bedeuten würde, sondern weil du ohne weiteres mit dieser kleinen Schlampe... wenn ich sie nicht weggescheucht hätte... Bei mir wäre es etwas anderes gewesen! Ich versuche doch nur mich von dir abzulenken. Von DIR, verdammt noch mal... VON DIR!!!

„Lauri... was...?“, langsam gehst du auf mich zu. Du machst eine unsichere Geste, willst mir über die Wange streichen. Ich weiche zurück und schlage die Hände auf mein glühendes Gesicht. Es ist nass. Tränennass? Schon wieder?

„NEIN!“ Ich renne an dir vorbei durch die Menge auf der Tanzfläche. Fremde rempeln mich an, ich weiche schwankenden Paaren aus. Raus, raus in die Nacht.

Schon wieder weg von dir. Wie so viele Male.

Und die ganze Zeit hören meine Augen nicht auf zu tränen.





TBC