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I´ve cried


Altersfreigabe: 18
Pairing: Lauri/Aki
Warnungen: RAPE, lemon, depri, death, psycho

Inspiration: nothing
Musik: Slipknot- The nameless
Widmung: Akkimaus, Rumpali, Ulanke, Anteeksi, Liquid und allen andren, die mich kennen und wissen, wie ich fühle.




Overkill




Part 1- touch me

Sein Blick ist gierig und lüstern, seine Berührungen gewaltsam und schmerzvoll. Unsanft stößt er mich auf das große Doppelbett in seinem Schlafzimmer. Er reißt mir das Shirt vom Körper und lässt seine Hände mit fahrigen Bewegungen über das Tangtop gleiten, das ich darunter trage. Das festgestanzte dreckige Grinsen auf seinem Gesicht macht mir Angst.

„NEIN! AKI!!! LASS DAS!“

Verzweifelt versuche ich freizukommen aber er macht es mir unmöglich, indem er sich mit seinem ganzen Gewicht auf mich stützt. Lässt aus dem alkoholisierten Spielchen bittere Realität werden. Ächzend reibt er sich an mir und aus seinen Augen spricht die pure ungebändigte Geilheit.
In meiner Kehle steckt ein dicker Klumpen, mir ist übel. Ich kämpfe mit den Tränen, schaffe es nicht mehr sie runterzuschlucken. Unaufhaltsam rinnen sie über mein Gesicht. Ich schluchze laut auf.

Ist es die Angst? Selbstmitleid? Wut?

Nein, ich trauere. Ich beweine das, was aus diesem Mann wurde. Äußerlich ist keine Veränderung zu erkennen. Seine schöne weiche Haut, diese wundervollen geschwungenen Lippen, an denen man sich zerreißen will und diese unglaublich schönen geheimnisvoll tiefen Seen... die nun zu Eis erstarrt sind. Die innere Veränderung ist drastisch. Es ist nicht der Alkohol, der aus ihm spricht. Er will es so.

Ein weiterer toter Blick lähmt mich. Mein Wille bricht und gleitet mir aus den Händen, tänzelt spöttisch vor meinen zusammengekniffenen Augenlidern umher.

„FASS MICH NICHT AN, DU PERVERSES SCHWEIN!!!“

Ich beginne zu schreien und versuche freizukommen. Das ist mein, unser einziger Ausweg. Sein Blick wird noch härter. Eisklumpen, die mich mit ihrer unmenschlichen Kälte förmlich zu erschlagen suchen. Es ist aussichtslos.

„Aki. Bitte.“ Ein Ruck unter meinem Kinn. Er zwingt mich ihm in die starren Augen zu sehen, durchbohrt mich mit seiner Gefühlsstarre.
„No way, sweetheart... “, säuselt er zuckersüß und leckt über mein Ohrläppchen.


„Tu mir das nicht an.“ Er lächelt und haucht einen Kuss auf meine Lippen.
„Wo währe dann der Spaß...?“ Kaum hörbar und doch endgültig.


Ich keuche, mein Herz droht zu zerspringen. Ich flüstere, ich schreie. Tränen legen einen verschwommenen Schleier über meine Augen. Meine Stimme bricht, wird leiser. Abgehackte Sätze und zerrissene Worte schwirren in meinem Kopf umher. Verwirren mich, strafen mich für meine Naivität. Hände auf meinem Körper, die ihn brutal einnehmen. Der Angstschweiß hinterlässt seine kalten Spuren auf meiner Stirn, fließt gemächlich an meinem Hals herab, gibt ihm nur noch eine Chance mich zu peinigen, mich entgültig zu brechen. Brennen. Kurzer Schmerz. Aufwallende Übelkeit. Seine Zunge auf meiner Haut. Seine Finger, die mir kalte Schauer über den Rücken jagen.

„Halt deinen Mund und hör auf zu schreien, sonst wirst du es bereuen jemals geboren worden zu sein.“, zischt es bedrohlich leise an meinem Ohr. Etwas in mir löst sich, der letzte Mechanismus vor der unabwendbaren Katastrophe.

.Selbstzerstörung.

„Fick dich, du notgeiles Schwein.“


Der harte Schlag trifft mich mit einer solchen Wucht, dass es mich zurück in die Kissen wirft und mir kurzzeitig mir Hören und Sehen vergeht. Meine Wange brennt wie verrückt und ich fühle wie sich das unangenehme Gefühl der Taubheit in meiner rechten Gesichtshälfte breit macht.

„Sieh mich an!“ Die Eissplitter hageln auf mich nieder.

Nein, den Gefallen werde ich ihm nicht tun. Krampfhaft presse ich die Augenlider zusammen. Ich brauche nicht die Augen zu öffnen um zu wissen, wie er aussieht. Ein schlechter Abklatsch seiner Selbst, nur noch von animalischen Instinkten und unbändiger Wut getrieben.

„Ich habe gesagt, du sollst mich ansehen!!!“

Seine Faust trifft mich im Magen und schnürt mir die Kehle zu. Schwarze Punkte tanzen vor meinen weit aufgerissenen Augen und in meinen Ohren sirrt es bedrohlich. Hektisch versuche ich Sauerstoff in meine Lungen zu lassen, fühle kaum die Tränen, die über mein Gesicht laufen und sich nicht mehr eindämmen lassen. Ich versuche meine Handgelenke seinem eisernen Griff zu entwinden, verzweifelt nicht das Bewusstsein zu verlieren.

Ich spüre fast gar nicht mehr, wie er sich zu mir herabbeugt und genüsslich die salzigen Spuren auf meinen glühenden Wangen nachfährt. Seine Stimme dringt wie durch Nebel zu mir, doch das grässliche Sirren übertönt seine Worte. Ekel durchflutet mich und alle Kraft weicht aus meinem Körper. Meine Lungen schreien nach Sauerstoff. Das Sirren wird durchdringender, es verschluckt alles.




Part 2- feel me


Licht. Dünne Streifen, die durch die Spalten in den heruntergelassenen Rollläden brechen.

Ich blinzle benommen. Um mich herum ist alles dunkel, es dauert eine Weile bis sich meine Augen an das spärliche Mondlicht gewöhnen und ich wieder etwas erkennen kann. Ich versuche mich aufzurichten werde aber von etwas, das an meinen Handgelenken zerrt zurückgehalten. Ächzend lasse ich mich wieder in die Kissen fallen und drehe den Kopf zur Seite. Was ich sehe lässt mir das Blut in den Adern gefrieren.

Meine Handgelenke sind mit rauen Seilen an die Bettpfosten gefesselt. Böses ahnend sehe ich an mir herunter. Ich bin völlig nackt.

Plötzlich fällt mir wieder alles ein. Aki und ich sind nach der Party zu ihm gegangen und dann ist er über mich hergefallen. Er hat mich geschlagen und ich bin Ohnmächtig geworden. Er hat doch nicht etwa während ich...

Bei dem Gedanken läuft es mir eiskalt den Rücken herunter. Mit einem zischendem Geräusch ziehe ich scharf die Luft ein. Es zieht in meiner Lunge und ich habe ein Gefühl als hätte ich ein Sieb in der Brust. Mein Puls pocht in meinen Ohren und ein unterschwelliges Rauschen, das sich hinterhältig in mein Hirn bohrt, macht mir das Nachdenken schwer. Aber ich muss unbedingt einen klaren Kopf behalten! Er ist noch hier. Ich weiß es!

„Schon wach?“ Ein Schatten löst sich aus dem Türrahmen und kommt langsam auf das Bett zu. Wenn man vom Teufel spricht...

„Du bist ja umgeknickt wie ein Grashalm... das hat mir die Arbeit ungemein erleichtert...“.
Seine Stimme nimmt einen frivolen Unterton an. Das Mondlicht lässt für Sekundenbruchteile seine Augen aufblitzen.
„Wie meinst du das? ... Arbeit? Du hast doch nicht etwa...?“
Der Versuch das Zittern in meiner Stimme zu verbergen scheitert kläglich. Nervös räuspere ich mich, damit meine Stimme wenigstens nicht so heiser klingt. Vom Fußende des Bettes höre ich ein leises Lachen.

„Aber nein... wo denkst du hin! Ich will doch meinen Spaß mit dir haben...“ Ein leises Lachen.

„... U- und was willst d- du jetzt machen...?“ Dumme Frage. Selbst wenn es bis eben absurder Weise noch nicht klar war, sind seine Absichten jetzt offensichtlich. Mit einem anzüglichen Lächeln setzt er sich zu mir an die Bettkante und beugt sich zu meinem Ohr herunter.

„Ach... ich dachte mir, ich ficke dich ein, zwei Mal... später können wir ja weitersehen...“Dieser Ton, der schlimmer ist als seine toten Blicke. Seine Hand, die an der Innenseite meiner Schenkel entlang wandert und sich fest in meine Haut gräbt. Der Schmerz ist unerträglich. Ich kralle mich an dem Bettlaken fest und schreie laut auf. Das scheint ihm zu gefallen denn er hat sich aufgesetzt, öffnet seine Hose und ich kann deutlich sehen wie erregt er ist. Er wirft das Kleidungsstück zur Seite und reißt sich das Tangtop vom Leib. Dann legt er sich auf mich und fängt an seinen Ständer an mir zu reiben.

„Ich werde dich hart rannehmen... Lauri... aah... du kleiner... hn ... geiler Bastard!“ Sein Stöhnen wird lauter verschluckt seine Worte, die ich sowieso nicht mehr wahrnehme. Grob kratzen seine Finger an meinem Schlüsselbein vorbei, hinterlassen einige blutige Spuren auf meiner Brust. Plötzlich setzt er sich auf, die schnelle Bewegung lässt mich zusammenzucken. Jede unvorhersehbare Bewegung macht mir Angst.

Er drückt meine Beine auseinander und dringt ohne jede Vorwarnung in mich ein. Ich habe das Gefühl jede Faser in mir wird auseinander gerissen und in tausend Stücke zerfetzt. In der Lendengegend brennt es wie Feuer.

Es tut so weh... bitte lass mich sterben...

„... Armer kleiner Lauri...hah... hah... tut es sehr weh? Ich glaube schon... hn... du weinst ja. Gut....“, sagt er und stößt fester zu, presst seine Erregung noch weiter in mich „... Das ist gut....“.

Ich verliere die Kontrolle über mich, beginne zu zittern. Bei jedem seiner Stöße zucke ich zusammen. Ich kann jeden einzelnen bis tief in den Bauch fühlen. Die Tränen nehmen kein Ende mehr und laute Schluchzer lassen meinen geschändeten Körper zusätzlich erbeben. Dieser erbärmliche Zustand motiviert ihn jedoch nur dazu noch grober zu mir zu sein.

Ich fühle seine schwitzigen Hände, die ungeniert über meinen Oberkörper streichen. Seine Nägel hinterlassen lange rötliche Striemen auf meiner Haut. Er drückt sich mir weiter entgegen, wirft seinen Kopf in den Nacken, in widerwärtiger Ekstase versunken. Die Sekunden ziehen sich in die Länge, werden zu qualvollen Stunden, die mich brechen und meine Seele verbrennen. Immer wieder dringt er in mich ein, fügt mir Schmerzen zu, labt sich an meinem Wimmern. Seine Worte, die ich nie wieder vergessen werde, die sich in meine Gedanken einstanzen und die ich immer hören werde, wenn ich die Augen schließe. Er sagt mir, wie sehr er mich hasst, dass es fast wieder an lodernde Liebe grenzt. Dass ich selber daran Schuld bin. Ich habe ihn dazu getrieben. Er will meinen Stolz auslöschen und meinen Körper schänden, den er als perfekt bezeichnet. Er kommt in mir und lässt sich auf mich sinken. Seine Finger gleiten über meinen Bauch und umschließen meinen Penis.

„Ich will, dass du auch kommst.“, flüstert er, in die von seinem keuchenden Atem und meinen zittrigen, erschöpften Schluchzern durchbrochene Stille. Er setzt sich auf und bedeckt meinen Bauch mit Küssen, die mich zusammenzucken lassen. Ich kann die Gänsehaut nicht verhindern, die sich auf meinen Körper legt und in meinem Magen sachte kribbelt. Seine Zunge wandert tiefer und legt sich auf mein Glied. Er bewegt langsam die Hand auf und ab, während er meine Spitze liebkost und küsst. Ein Stöhnen entweicht meinen Lippen und ich merke entsetzt, dass ich nichts gegen die in mir aufsteigende Lust tun kann. Er treibt mich an, wird schneller, lässt wieder ganz von mir ab und nimmt mich in den Mund. Seine Zähne auf meinem brennenden Fleisch, die feuchte Wärme, die mich umgibt. Mein Körper reagiert stärker, mein Geist sträubt sich. Ich biege den Rücken durch und ziehe an den Seilen, die mich fesseln. Er wird noch zärtlicher, umschmeichelt meine ganze Länge mit süßer Zunge und wirft mich in einen tiefen Abgrund. Mein Atem beschleunigt sich und ich höre mich seinen Namen hervorpressen. Ich komme mit diesem verhassten Wort auf den Lippen und erschaudere, als er alles von mir schluckt und genüsslich über die Spuren seiner Geilheit leckt. Sein Gesichtsausdruck ist der, eines Siegers. Ja, er hat gewonnen. Ich bin gebrochen und meine Seele ist tot.

„Ich hasse dich.“





Part 3- you´re mine...

Die Hände an das Gesicht gepresst, die Beine angezogen, sitze ich in der Dusche. Die kleinen Tropfen, die auf mich herunterprasseln und an meinem zusammengekrümmten Körper herabfließen, färben sich hellrot und verschwinden dann im Ausfluss. Ich spähe zwischen meinen Fingern hindurch und folge dem Lauf des Wassers. Das Wasser brennt auf meiner Haut, es ist kochend heiß. Gut so... alles soll weggespült werden. Jede Stelle auf meinem Körper, die er berührt hat, soll geläutert werden. Ich bin schmutzig! Es ist, als ob seine Haut sich immer noch an meiner reiben würde, als ob er noch ein Mal gewaltsam in mich eindringen würde und meinen Namen rau in meinen betäubten Mund flüstert...



... Das leise Brummen des Motors treibt mich in den Wahnsinn. Ich kann die Stille nicht länger ertragen... ich kann IHN nicht länger ertragen. Die Ampel ist rot. Er bremst und mustert mich von der Seite. Mir ist kalt. Krampfhaft vergraben sich meine Finger in dem dicken Stoff meines Wintermantels und zerren an ihm. Sein Blick haftet immer noch auf mir. Ich kann ihn fühlen. Auf meinem Gesicht, auf meinem Hals, auf meinen Händen. Ich halte die Luft an. Ich will nicht, dass er mich ansieht. Ich will nie wieder von ihm angesehen werden... Meine Lungenflügel ziehen sich zusammen, schreien nach Luft. Nein! Ich will nicht mehr atmen. Atmen bedeutet leben und ich habe kein Leben mehr. Ich könnte jetzt für immer aufhören zu atmen...
Die Reifen quietschen, er richtet seinen Blick wieder auf die Strasse, die Ampel ist grün. Ich reiße den Mund auf und keuche panisch. Sauerstoff...

„Wir sind da. Deine Wohnung ist da vorne.“ Der Wagen hält und der Motor erstirbt. Langsam drehe ich mich nach rechts und sehe aus dem Fenster auf meinen Wohnblock. Meine Hand hat sich an den Griff geklammert und will die Tür öffnen.
„Nicht so hastig. Willst du dich nicht bei deinem Chauffeur bedanken?“ Ich hasse ihn. Zaghaft löse ich wieder meine Hand vom Türgriff und drehe mich zu ihm um. In seinem Gesicht steht immer noch der grausame Triumph über mich geschrieben. Es kotzt mich an.
„Was willst du noch von mir?“ Ein trockenes Flüstern aus meiner Kehle, es scheint aus weiter Ferne durch den Nebel in meinem Kopf zu dringen.
„Alles. Schließlich gehörst du mir...“ Er beugt sich über mich und bedeckt meine Lippen mit seinen. Gewaltsam drängt sich seine Zunge zwischen meine Zähne und nimmt meinen Mundraum ein. Ich leiste keinen Widerstand. Die Erkenntnis trifft mich wie ein Schlag. Er hat Recht. Ich gehöre ihm...




... Meine Hand rutscht langsam an der gefliesten Badezimmerwand hinunter. Sie hinterlässt eine mit Wasser gemischte Blutspur auf dem weißen Stein. Die Wunden an meinen Handgelenken haben noch immer nicht aufgehört zu bluten... Ich stehe auf und klammere mich an der Schiebetür der Duschkabine fest. Meine Beine wollen mich einfach nicht halten. Mein Fuß legt sich auf etwas weiches, das unter meinem Gewicht nachgibt. Es ist der Schwamm, der das Wasser in der Dusche wieder rot färbt. Mehr Blut. Wieder von mir. Nicht mal das hat geholfen. Ich habe mich solange gewaschen, bis ich das Gefühl hatte meine ganze Haut abgepellt zu haben. Aber ich bekomme den Schmutz einfach nicht von mir ab... Ich richte den Wasserstrahl auf den Boden um die Spuren zu entfernen und drehe dann das Wasser ab. Die Tür rattert als ich sie zur Seite schiebe und aus dem kochenden Nebel in mein kaltes Badezimmer trete.

Der Spiegel beschlägt sofort und lässt mir keine Möglichkeit mich zu sehen. Es ist als wolle er mich vor diesem Anblick schützen.
Ich greife nach einem Handtuch und streiche damit über das Glas. Für einen kurzen Augenblick kann ich mich sehen, dann beschlägt der Spiegel wieder. Das Bild von eben schießt mir wieder durch den Kopf. Die langen Striemen auf der Brust, die Bissspuren, etliche blaue Flecken auf den Hüften und am Hals, rote, blutende Stellen überall auf meiner gereizten Haut, und Augen. Leere, ausdruckslose Augen. Ich lasse mich neben das Handtuch sinken, das mir aus den Händen geglitten ist und fange wieder an zu weinen.


„Was hast du nur mit mir getan?“


Ich bin ins Wohnzimmer gekrochen, liege auf dem harten Holz und atme. Einfach nur atmen. Und lauschen. Ein und aus, immer wieder. Ich denke. Ich denke an ihn, kann es nicht vergessen. Höre in die Stille hinein, höre mich atmen. Ein und aus. Schneller, rauer. Seine Augen, die mich in der Dunkelheit suchen und mir die Luft abwürgen. Ich spüre noch immer sein Keuchen an meinem Hals, fühle den Schmerz, als er zubeißt. Es ist als würde er mir wieder die Faust in den Magen stoßen. Ich huste, setzte mich auf und greife mir an die Kehle. Der Husten lässt mich erbeben. Mir ist schlecht. Ein flaues Gefühl in meinem Magen und ein starker Salziger Geschmack auf meiner Zunge. Die plötzliche Übelkeit wirft mich zurück auf den Boden. Ich schlucke, versuche es hinauszuzögern. Nicht hier...

Auf allen Vieren schleppe ich mich bis zum Badezimmer und schaffe es gerade noch den Klodeckel hochzuklappen. Ich huste und spucke, versuche alles rauszulassen. Brennende Hitze kriecht langsam meine Speiseröhre hoch, lässt mich noch mehr keuchen. Der Geruch verstärkt die Übelkeit und den Ekel noch mehr. Ich umfasse krampfhaft das Porzellan und presse meinen vor Anstrengung zitternden Körper dagegen. Mein Haar fällt mir wirr vor die Augen, es ist schweißnass. Ein neuer Schwall Erbrochenes kämpft sich in mir hoch. Meine Finger verkrampfen sich stärker. Weiß treten die Knöchel unter der Haut hervor. Nach Luft ringend lasse ich mich nach hinten fallen. Wimmernd umschlinge ich meinen Bauch, der immer noch rumort. Aber kotzen kann ich jetzt nicht mehr, was soll denn noch raus?

Das kalte Neonlicht über mir strahlt unbarmherzig auf mich herunter und blendet meine halbgeschlossenen Augen. Schwerfällig hebe ich eine Hand und streiche mir über die glühende Stirn. Meine Augen tränen wieder. Ich habe es gar nicht bemerkt...

Schwach erhebe ich mich und stehe wieder dem verdammten Spiegel gegenüber. Ich meide es hineinzusehen und lasse mir kaltes Wasser über den Kopf laufen. Mit klammen Fingern ergreife ich ein großes Handtuch und wickle mich darin ein. Es klingelt. Langsam schlurfe ich ins Wohnzimmer und blicke auf mein vibrierendes Handy hinab. Ich nehme den Anruf an, halte mir stumm das Gerät ans Ohr. Kein Wort. Ich höre ein leises Kichern, dann eine singende Stimme.


*Obsession- take another look
Remember- every chance you took
Decide- either live with me
Or give up- any thought of being free*




Part 4- fingers in my skin

Heiseres Geflüster an meinem Ohr.
Liebesschwüre.
Hassbekundungen.
Todesdrohungen.

Er ist der Schatten geworden, der die Sonne verdunkelt und mit seinem ganzen Umfang jeden noch so kleinen Lichtstrahl von mir fernhält. Ich habe mich verkrochen, sitze irgendwo in einem versteckten, Winkel meiner Seele und drücke mich weinend gegen eine Wand. Ein sicheres Plätzchen an einem Ort, an dem er mich nicht finden kann. Aber er ist da. Er findet mich, wo auch immer ich mich verkrieche und dann zerrt er mich aus meinem Versteck heraus. Nacht für Nacht...

Harte Stöße in mir.
Sanfte Küsse auf meiner Haut.
Nägel die mich verletzen.
Zähne, die sich tief in mein Fleisch graben.

Sein Gesicht über mir. Ich sehe in seine Augen. Sie wirken weder starr, noch tot oder gar gefühlskalt. Aber es ist alles nur eine Täuschung. Eine weitere Art mich zu verwirren und zu peinigen. Er kommt. Ich kann es spüren. Ich kenne jede seiner Bewegungen. Jetzt wird er langsamer, versucht es hinauszuzögern, seine Wollust länger auszukosten. Mein Name, den er ruft. Die aufrichtigen Gefühle, die aus seinem Blick sprechen, bevor er sich neben mich legt und schweratmend die Augen schließt.

Schmerzen, die pulsieren.
Kalte Luft, die sich an meinen nackten Körper schmiegt.
Keuchende Laute, die die Stille durchbrechen.
Tränen, die stumm über meine Wangen laufen.

Er streckt eine Hand aus und streicht mir liebevoll über das Gesicht. Ich zucke zurück. Ein Reflex, den ich ihm zu verdanken habe. Lange lässt er seine Hand auf meiner Stirn liegen. Er schweigt. Er hält still, so als ginge es darum ein ängstliches Tier nicht zu verschrecken, wenn man zu plötzliche Bewegungen macht. Meine Blicke graben sich in die Decke. Ich wünschte, sie würde jetzt einbrechen und uns unter sich begraben, meinen Leiden somit ein Ende bereiten.

„Ich wollte es nicht.“ Seine Worte durchschneiden die Luft. Sie hängen vor mir und blinken, wie die Neonbuchstaben auf Werbetafeln. Ich schlucke, bleibe stumm.
„Du hast mich dazu gezwungen.“ Er dreht sich auf die Seite, sieht mich an. Ich starre nach oben. Die Decke soll Risse bekommen...
„Ich liebe dich, Lauri.“ Zu viel. Genug. Ich kann nicht mehr länger. Schrille Stimmen hallen in meinem Kopf wider, die Wut kocht in mir hoch. Ich setze mich auf und starre ihn hasserfüllt an. Diese Gestalt, die vor mir auf dem Bett liegt und erstaunt zu mir aufblickt.

„DU LIEBST MICH?! ACH JA? KANNST DU MIR DANN VERDAMMT NOCH MAL SAGEN, WIESO DU MIR DAS ANTUST?! WIESO DU MIR DAUERND SAGST, WIE SEHR DU MICH HASST, UM MICH DANN ZU KÜSSEN UND ZU LIEBKOSEN?!“

Lachen. Sein Lachen. Seine kalten blauen Augen.

„Wieso, wieso? Willst du das wirklich wissen? Ich verrate dir jetzt etwas, Lauri. Hast du eine Ahnung, wie es ist immer von einer Person verfolgt zu werden? Immer wieder von ihr zu träumen, sie besitzen zu wollen. Sich von ihr verstanden zu fühlen und sich Hoffnungen zu machen. All das, nur um dann vor den Trümmern der eigenen Wünsche zu stehen. Aus der Liebe wird Hass und alle Gefühle, die man für die Person hat, werden stärker. Widersprüchliche Gedanken und diese brennende, unerfüllte Liebe, die den Wahnsinn bringt...“ Er lächelt mich an. Es ist ein verklärtes, undurchsichtiges Lächeln. Er macht mir Angst. Die Wut verschwindet und wird wieder durch Furcht ersetzt. „ Es war mein einziger Ausweg. Ich musste dich brechen. Ich ertrug nicht länger das stolze Glimmen deiner Augen. Dein glückliches Lachen, dass mein Herz zerriss. Deine Gesten, die mich irritierten. Du hast gelebt, während ich deinetwegen starb. Wie heißt es so schön? Gleiches mit Gleichem vergelten.“

Er ist aufgestanden und läuft im Zimmer herum. Er sucht seine Sachen zusammen und zieht sich langsam an. Ein Kuss in meinem Nacken, dann seine Schritte, die sich von mir entfernen. Die Haustür wird aufgemacht, er hält inne.

„Ich komme heute Abend wieder.“

Die Tür schlägt zu, ein Windstoß zieht durch die Wohnung. Ich werfe einen Blick auf meinen Wecker. Es ist schon drei Uhr morgens? Wie kann das sein? Ich lasse ächzend meine Beine über den Bettrand gleiten und versuche mich gerade hinzusetzen. Die Schmerzen sind jedes Mal fürchterlich. Langsam schlurfe ich durch die Wohnung und bleibe vor der Badezimmertür stehen. Etwas in mir sträubt sich dagegen diese Tür zu öffnen, doch es muss sein. Jeden Tag die selbe Prozedur. Immer nachdem er gegangen ist. Ich reiße dir Tür auf und schlage sie dann hinter mir wieder zu. Mein Atem geht schnell, aber ich beachte es nicht und gehe auf das Waschbecken zu. Der Spiegel.

Zerwühltes Haar, fiebrige Flecken auf den Wangen, glanzlose Augen, Lippen, die er berührt hat. Ich lächle mein Spiegelbild kalt an. Gar nicht mal so schlecht. Ich sehe einfach nur krank aus. Umso besser... Was er wohl tun würde, wenn ich angeschlagener aussehen würde und die Anderen Verdacht schöpften? Aber wäre es nicht besser, wenn endlich jemand etwas merken würde? Wäre dann alles vorbei...? Bei diesem Gedanken zieht sich mein Magen schmerzhaft zusammen. Ich habe lange nichts mehr gegessen. Aber das ist nicht wichtig. Nicht mehr. Nur noch ein weiterer Faktor, der meinen Verfall beschleunigt. Der Hunger zählt nicht.

Ich stelle mich unter die Dusche und drehe voll auf. Ich habe den Versuch aufgegeben, den Schmutz von mir zu „pellen“. Ich weiß jetzt, dass es mir nie gelingen wird, seine Berührungen von mir zu waschen. Auch wenn ich mir die Haut abziehe. Die Erinnerung hat sich zu tief in mich gegraben...

Fröstelnd stakse ich über die Fliesen und greife nach meinem Bademantel, den ich über die Schiebetür der Duschkabine gelegt habe. Ich gehe ins Wohnzimmer, schnappe mir schnell die Zigarettenschachtel und das Feuerzeug, die neben dem Anrufbeantworter liegen. Ich bleibe stehen und laufe wieder einige Schritte zurück.

Keine neuen Nachrichten. Niemand fragt sich, warum ich mich nicht mehr melde. Keiner findet es merkwürdig, dass ich auf Partys oder nächtlichen Streifzügen durch die Bars immer Abseits stehe und mir alle Lichter aussaufe... um zu vergessen. Wieso fragt mich keiner, wie es mir geht? Sind sie alle blind, oder bin ich einfach ein begnadeter Schauspieler? Wollen sie es nicht sehen? Oder können sie es nicht sehen, weil ich ihnen die Sicht auf mein Inneres verwehre? Ist es meine Schuld?

„Wer braucht euch schon?“




Part 5- my face against the wall

Hier stehe ich. In aller Herrgottsfrühe im herbstlichen Helsinki bei fröhlich klirrenden Minusgraden und lehne mich nur mit einem Bademantel bekleidet, mit nassen Haaren, lässig gegen die Balkonbrüstung. Am besten ich erfriere einfach. Langsam friemle ich eine zerknitterte Kippe aus den zerdrückten Resten der Pappschachtel. Die Flamme blendet mich kurz, dann herrscht wieder Dunkelheit, die sich um die rotglühende Spitze meiner Kippe legt. Ich nehme einen tiefen Zug und versuche alles in meine Lunge zu lenken. Ich versuche sie auszufüllen, mir die Luft abzudrehen. Das Nikotin soll meine Lungen zerfressen. Ich hauche den kalten Rauch in die frische Morgenluft und schnippe die angerauchte Zigarette in den Wind. Ich drehe mich um und gehe in meine Wohnung zurück. Diese Morgendliche Stille, diese ausgestorbenen Strassen, ich ertrage das nicht mehr. Wenn schon in mir alles langsam krepiert, warum sollte ich der Stadt beim Aufwachen aus ihrem nächtlichen Todesschlaf zusehen?



~ Du bist krank. Ja, ich glaube du drehst langsam richtig durch. Du wirst zu so ´nem Psycho mutieren und wie ein armer Sack in der Klapse enden~



Ich kauere in einer Ecke meines Schlafzimmers und presse mir ein Küchenmesser gegen den linken Unterarm. Es zieht leicht und es brennt. Ich spüre, wie das Messer immer tiefer in den Schnitt eindringt, umso länger ich ihn mache. Ich höre auf, lasse das Messer los. Der Schnitt ist sehr dünn. Ein roter Streifen auf meinem Arm. Aus ihm treten wie schimmernde kleine Perlen langsam Blutstropfen hervor. Sie werden größer und fließen stetig an meinem Arm herab. Ein bitteres Lächeln stiehlt sich auf mein Gesicht. Nur in solchen Momenten fühle ich mich wirklich frei von ihm. Nur jetzt kann ich für kurze Zeit alles vergessen. Doch so wirksam diese Methode auch für den Augenblick ist, sie hinterlässt ihr Emblem auf mir. Ich bin gezeichnet von Selbsthass, den er verursacht hat.



~ Du könntest jetzt für immer aufhören zu atmen... Am besten du erfrierst einfach... Das Nikotin soll deine Lungen zerfressen... Wieso tust du es dann nicht? Warum quälst du dich länger, wenn die Lösung so einfach ist? Hast du Angst? Du fürchtest dich.~



Ja, ich fürchte mich, aber wieso? Ich bin schwach. Es wäre so einfach das alles zu beenden. Ich nehme das Messer vom Boden und sehe mir die Klinge an. Sachte streiche ich mit der Zunge darüber. Ich schmecke Blut, mein Blut, das ich vergossen habe. Ich stehe auf und bringe das Messer in die Küche zurück, schmeiße es in einem plötzlichen Wutanfall in die Spüle. Der Krach lässt mich zusammenzucken. Was kann dieses dämliche Messer schon für meine Lage? Ich gehe ins Badezimmer und wasche den Schnitt aus, bis er aufhört zu bluten. Neben dem frischen Schnitt sind mehrere weiße Striche. Ein Monat alte Narben. Alles fing mit dieser verdammten ersten Nacht an. Ich schleppe mich ins Wohnzimmer und setze mich auf die Couch. Ich habe immer noch nichts außer dem Bademantel an. Mein Handy klingelt, ich nehme es vom kleinen Glastisch vor mir und halte mir das Teil ans Ohr. Ich hab´s satt...

„Was willst du?! Lasst mich doch einfach alle in Frieden!“ Ich halte es nicht mehr aus. Die können mich alle mal...
„Lauri...? Was zum...?“ Ja, genau! Jetzt tu nicht so geschockt, Pauli. Nach einem Monat rufst du an und willst wahrscheinlich nicht mal wissen was mit mir los ist.
„Ach nichts, vergiss es.“ Ich unterbreche das Gespräch und mache das Handy aus. Mir ist es egal, was Pauli denkt. Vielleicht merkt er jetzt, dass irgendwas nicht mit mir stimmt. Oder er geht zu Eero und erzählt ihm, dass ich nicht mehr alle Tassen im Schrank habe. Das Telefon fängt an zu klingeln. Ich laufe hin und nehme den Hörer aus der Station.

„Lasst mich in ruhe, ich hasse euch.“, schluchze ich ins Telefon. Wieso weine ich jetzt? Warum können die nicht alle verschwinden? Ich schmeiße den Hörer gegen die Wand und reiße das Telefonkabel aus der Buchse. Es besteht kein Grund mehr für mich erreichbar zu sein.



~Tu es! Du bist allein zurückgeblieben. Niemand braucht dich!~



Ja, aber wie? Soll ich aus dem Fenster springen? Vor den nächsten Laster rennen? Mir die Pulsschlagadern aufschlitzen? Nein, ich weiß etwas, dass viel besser ist. Ich gehe ins Band und öffne das kleine Schränkchen, dass neben dem Waschbecken angebracht ist. Ich krame darin und suche. Sie müssen doch hier irgendwo sein. Ah, hier! Wie klein und unscheinbar sie doch wirken. Lange starre ich auf die Dose Schlaftabletten in meiner Hand. Vor ein paar Monaten hat sie mir ein Arzt verschrieben, weil ich auf Tour manchmal nicht schlafen kann. Wer hätte gedacht, dass diese kleinen Dinger einmal meinem Dasein ein Ende bereiten würden? Ich lege die Dose am Rand des Waschbeckens ab und greife nach meinem Kajal. Dunkle Striche umranden meine Augen, ich betone sie noch mehr durch schwarzen Lidschatten. Schwarz, steht für Tod. Meine Augen sind tot. Denn meine Seele ist gestorben und was sollen sie dann widerspiegeln, wenn nicht die Leere, die mich seit seiner ersten Berührung ausfüllt?




Part 6- see you at the bitter end...

Schon seit Stunden sitze ich hier. Ich habe mich angezogen, ganz in schwarz. Ich habe meine Haare gemacht, die schwarzen Federn befestigt. Ich bin umgeben von schwarz. Mein Inneres ist schwarz. Alles ist schwarz, leer und trostlos. Ich bin ein dem Tod geweihtes Opfer der Grausamkeit dieser Welt. Seiner Grausamkeit.

Kerzen. Hunderte von Teelichtern, die ich über dem Boden ausgebreitet habe. Jedes steht für eine meiner gestorbenen Hoffnungen. Bis sie auch von der Dunkelheit verschluckt werden... Ein Meer aus Wankenden Lichtern.

Ich weiß nicht wie viel Uhr es ist, aber es ist inzwischen wieder dunkel. Ich kann mich noch daran erinnern, dass es gerade zu dämmern anfing. Die Zeit ist an mir vorbeigerannt, während ich hier in einer Art von Wachkoma lag und spürte, wie sich das Nichts in mir ausbreitete und meine Erinnerung trübte. Ich werde es tun. Ich werde diesen Gedanken ausführen, der sich wie ein Geschwür in mir festgesetzt hat. Ich träumte nachts zu sterben und wachte vor Wut schreiend wieder auf, denn ich wollte nicht mehr leben. Ich werde es tun. Ich werde ihn verlassen.



~Es ist so weit. Er kommt bald.~



Ich richte mich auf und greife zu der Dose, die vor mir auf dem kleinen Glastischchen steht. Ich nehme das Glas Wasser daneben und schlucke eine nach der anderen. Dann stelle ich die leere Dose und das Glas zurück auf den Tisch und nehme das Messer, dass daneben liegt und setze es an meinem linken Handgelenk an. Ein letzter tiefer Schnitt... Blut, dass in Strömen aus der Wunde hervortritt. Ich warte. Worauf eigentlich? Wie wird es sein? Ich werde einfach einschlafen und nie wieder aufwachen. Und was wenn nicht?



~Langsam beschleicht dich das Gefühl von Taubheit, die sich in deinen Körper frisst und deine Knochen schwer werden lässt. Du wirst schwächer, mit jeder Minute. Alles scheint langsamer zu werden. Die Staubkörner, die im Kerzenlicht sichtbar werden, schleichen dem Boden entgegen. Du legst dich hin, zu schwach... Blut pulsiert durch deinen linken Arm, die Wunde blutet weiter. Die Augenlider werden dir schwer. So müde... Große Müdigkeit empfängt dich. Lichter flackern vor deinen Augen. Schritte aus der Ferne... sie sind so laut... sie kommen immer näher. Schlüssel, die in ein Schlüsselloch gerammt werden und der Türriegel der knirscht. Das Schlagen einer Tür, wieder diese Schritte... seine Schritte...~



Ich kann es fühlen. Er kommt ins Wohnzimmer und bleibt erstaunt in der Tür stehen. Dann, ein Aufschrei. Er rennt zu mir, bahnt sich einen weg durch die flackernden Kerzen. Wie verschwommen er doch plötzlich ist. Schon wieder sind es Tränen, die mir die Sicht nehmen, mich davor bewahren, ihn als letztes vor meinem Tod zu sehen. Hinter dem Tränenschleier verschwimmen die Farben, werden dunkler. Seine Stimme wird leiser. Was sagt er? Seine Hände, die meinen Körper umschlingen, meine kalten Fingern die das Messer fester umwinden.

„LAURI!!! Das darfst du nicht! Du gehörst doch mir! Warum tust du mir das an?!“ Er schreit, doch für mich ist es nur noch leises Gemurmel. Ich fühle seine Lippen, die über mein Gesicht wandern, an meinem Mund hängen bleiben. Er leckt darüber, versucht herauszufinden, was ich genommen habe. Ein taubes Gefühl, dass sich in seinem Mund breit macht. Er weiß es.

„WIESO?! Wieso musst du mir selbst jetzt einen Strich durch die Rechnung machen?! Nicht mal so kann ich dich besitzen...“ Er hat mich an den Schultern gepackt und versucht mich wachzuhalten. Doch es ist zu spät. Ich versuche die Hand zu heben, sie ist sehr schwer. Ich lege sie ihm auf die Wange und öffne ein letztes mal die Augen.

„Ich habe dir nie gehört... Aki. Die Frage... ist nicht... warum ich dir... das antue. Die... Frage ist... warum du mir... das angetan... hast...“

Kraftlos lasse ich die Hand sinken. Seine Wange ist blutverschmiert. Erstaunt reißt er die Augen auf, sieht mich an, blickt dann an sich herab. Er legt seine Hand auf meine, die das Messer in seine Brust gerammt hat. Ein roter Tropfen tritt aus seinem Mundwinkel und fließt an seinem Kinn herab. Er hebt seine blutigen Hände vor sein Gesicht, starrt sie verständnislos an.

„...Was...?“

Ich schließe die Augen, werde von pulsierender Dunkelheit umfangen. Alle Geräusche ersterben. Alle Bilder verschwinden aus meinem Gedächtnis.



~Hier bist du sicher. Niemand wir dich je wieder verletzen~



... Es ist schon merkwürdig, wozu die Liebe, die Menschen treibt. Ich glaube, Liebe ist nur eine andere Art des Wahnsinns. Eine angenehmere Art sich selbst zu belügen. Liebe ist Gift, dass sich in die Herzen der Menschen bohrt und ihre Gedanken einnimmt, weil sie zu schwach sind um sich zu wehren. Doch solange diese Liebe erwidert wird, ist alles in Ordnung. Unerwiderte Liebe hingegen kann tödlich sein...


Ich war schon lange tot. Doch er erdrückte mich mit seiner kranken Liebe und stach immer wieder auf mich ein... bis ich in meinem eigenen Blut schwamm.




End




‚Overkill’ [Englisch für ‚Mehrfachvernichtung’]

Ausdruck für das über die Mindestmenge hinausgehende ‚Mehr’ an Vernichtungskraft.



By Lauris_act
Written from 23.04.05 to 14.06.05